Erster Jahrestag

1 Jahr nach Horror-Amoklauf: Schule trauert im Stillen

Trauerminute vor einem Jahr nach Amoklauf in Graz.
© APA
Auf Wunsch der Familien wird den Opfern im kleinen Rahmen gedacht.
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Stmk. Morgen genau vor einem Jahr, dem 10. Juni, jährt sich der schlimmste Tag in der Geschichte von Graz zum ersten Mal: Ein 21-jähriger Ex-Schüler des BORG Dreierschützengasse im Grazer Westen hat bei einem Amoklauf zehn Menschen, neun Schüler und eine Lehrerin, erschossen.

Danach nahm er sich selbst das Leben. Eine öffentliche Gedenkfeier an die Opfer soll nicht stattfinden, um keine alten Wunden aufzureissen. Auf Wunsch der Familien findet heute Abend die Trauerfeier im kleinen Rahmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Rathaus statt.

Die Stadtregierung, sämtliche Gemeinderatsmitglieder, die Mitglieder der Landesregierung sowie Angehörige werden daran teilnehmen. Insgesamt werden es 100 bis 150 Personen sein. Auf das Erstellen von Fotos werde dabei auf Wunsch der Angehörigen verzichtet, hieß es seitens des Büros der Bürgermeisterin.

Morgen, am Jahrestag selbst ist an der Schule eine Gedenkveranstaltung geplant, doch auch diese wird auf ausdrücklichen Wunsch der Schüler unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Außerdem werden Medien gebeten, auf Interviews vor der Schule zu verzichten und respektvollen Abstand zu wahren.

Rückblick auf den Amoklauf

Der 21-jährige Österreicher war am Vormittag des 10. Juni 2025 mit zwei Schusswaffen, die er legal besessen hat, in seine ehemalige Schule gegangen und hatte dort in zwei oberen Stockwerken in mehreren Klassen das Feuer eröffnet. Er schoss offenbar wahllos auf Schülerinnen und Schüler, die er gar nicht gekannt hat, sowie auf Lehrpersonal. Nach rund sieben Minuten erschoss sich der Täter selbst. Neben den zehn Todesopfern wurden auch elf Personen - zum Teil sehr schwer - verletzt. Die Polizei war nach nur wenigen Minuten am Tatort und gab wenig später die Lage als gesichert an.

Nach knapp einem Jahr an Erhebungen hat die Staatsanwaltschaft Graz Mitte Mai die Ermittlungen abgeschlossen. Mögliche Mitwisser hatte es demnach nicht gegeben. Als Motiv wurde eine Glorifizierung von anderen "School Shootings" erkannt - beispielsweise jenes an der Columbine Highschool im Jahr 1999 im US-Bundesstaat Colorado. "Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen und Datenträger zeigte, dass der Attentäter die Taten detailliert geplant und vorbereitet hatte.

Der 21-Jährige verwendete Waffen, die er legal besessen hatte." Weiters verfügte der Attentäter "über eine behördlich ausgestellte Waffenbesitzkarte. Für deren Erhalt ist unter anderem ein psychologisches Gutachten notwendig, welches die Verlässlichkeit beim Umgang mit Waffen bescheinigt."

Die Stellungskommission des Bundesheeres hatte ihn allerdings zuvor aufgrund des Ergebnisses der psychologischen Untersuchung für untauglich befunden, durfte diese Erkenntnis aber aufgrund der damaligen Rechtslage nicht weitergeben.

Trauerbekundungen und Konsequenzen

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) sprach vor einem Jahr von einer "fürchterlichen Tragödie" sowie einem "tieftraurigen Tag". Trauerbekundungen gab es nicht nur aus ganz Österreich, sondern aus der ganzen Welt - auch Papst Leo XIV. drückte sein Mitgefühl mit den Betroffenen aus. Bei mehreren Gottesdiensten und -veranstaltungen gedachten Tausende der Opfer. So manche öffentliche Termine sowie kulturelle und sportliche Veranstaltungen in den Tagen nach dem Amoklauf wurden abgesagt.

Politische Konsequenzen wurden ebenfalls aus dem Amoklauf gezogen - etwa eine Aufstockung beim psychosozialen Unterstützungspersonal und eine Verschärfung des Waffengesetzes. Das Land Steiermark wird am Montag gemeinsam mit der Bildungsdirektion bei einer Pressekonferenz auch einen Blick auf ihre gezogenen Schlüsse werfen. Konsequenzen gab es ebenfalls beim Datenaustausch zwischen der Stellungskommission des Bundesheeres und der Waffenbehörde: Eine neue Regelung ermöglicht es nun, dass die Behörde erfährt, wenn junge Männer bei der Stellung für untauglich im Umgang mit einer Waffe befunden werden. Zudem kann sich die Waffenbehörde im Zweifel auch an die Stellungskommission wenden und Nachfragen stellen, sagte Bundesheer-Sprecher Michael Bauer zur APA.

Spendenkonto immer noch zur Verfügung

Die Stadt Graz hat nach dem Amoklauf ein Spendenkonto eingerichtet. Mit den eingegangenen Geldern werden Betroffene unterstützt. Die Mittel werden vor allem für jene Kosten verwendet, die nicht durch das Opferschutzgesetz, den Opferschutzfonds oder andere Organisationen, Institutionen oder Versicherungen abgedeckt sind. Auf das Konto wurden bisher fast 300.000 Euro eingezahlt. Laut Stadt Graz steht es immer noch zur Verfügung (Empfänger: Graz - Zusammenhalten Spenden BORG Dreierschützengasse IBAN: AT59 1400 0009 1026 0197).

Der erste Jahrestag des Amoklaufs fällt zeitlich fast genau auf den Jahrestag der Amokfahrt von Graz. Am 20. Juni 2015, ein Samstag, war ein damals 26-jähriger Mann mit seinem Geländewagen mittags durch die Innenstadt und auch die belebte Herrengasse, eine Fußgängerzone, gerast. Er hat dabei Passanten absichtlich mit seinem Pkw erfasst. Drei Menschen, darunter ein Bub, starben und Dutzende andere wurden teils schwer verletzt. Der Täter wurde direkt danach festgenommen und 2016 vor Gericht verurteilt. 2023 beging er in seiner Zelle Suizid.

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