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ÖFB oder Milan? Rangnick-Poker spitzt sich zu
Der WM-Alltag in Santa Barbara ist jedenfalls längst eingekehrt. Die öffentlichen Trainingseinheiten sind vorbei, die Belastung wird erhöht, der Fokus liegt voll auf dem ersten Weltmeisterschaftsspiel Österreichs seit 28 Jahren. Unter der kalifornischen Sonne arbeitet Rangnick mit seiner Mannschaft am Feinschliff für das größte Turnier des Fußballs.
Doch während auf dem Trainingsplatz die Konzentration ausschließlich der WM gilt, sorgt abseits davon eine Frage für Gesprächsstoff: Wie lange sitzt Rangnick überhaupt noch auf der ÖFB-Bank?
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Rot-Weiß-Rot oder Rossoneri?
Denn parallel zum WM-Countdown läuft ein zweiter Countdown – jener zu einer Entscheidung, die für den österreichischen Fußball enorme Auswirkungen haben könnte. Bleibt der Deutsche auch nach der Weltmeisterschaft Teamchef und setzt seinen erfolgreichen Weg mit dem Nationalteam fort? Oder folgt er dem Ruf des AC Milan und übernimmt beim italienischen Traditionsverein die Rolle des sportlichen Architekten?
Die Antwort könnte bereits in den kommenden Tagen fallen. Der Zeitpunkt ist brisant, denn Rangnick hat in Österreich eigentlich fast alles erreicht. Er führte das Nationalteam zurück zur Weltmeisterschaft, gab ihm eine klare Identität und machte Österreich wieder zu einer Mannschaft, die sich vor kaum einem Gegner verstecken muss. Sportlich fehlt dem 67-Jährigen im Grunde nur noch der Aufstieg in die Nations-League-Liga A.
Jetzt liegt der Ball bei Milan
Doch Rangnick denkt seit jeher größer als nur bis zum nächsten Spiel. Immer wieder betonte er die Bedeutung moderner Strukturen und einer leistungsfähigen Infrastruktur. Auch deshalb gilt ihm eine neue Multifunktionsarena in Wien als Herzensprojekt. Nicht wenige im österreichischen Fußball würden ihn gerne weiterhin als treibende Kraft für die Entwicklung des Standorts sehen.
Genau hier beginnt jedoch das Dilemma. Während der ÖFB zuletzt davon ausging, Rangnick von einer Vertragsverlängerung überzeugt zu haben, mischte sich plötzlich der AC Milan in die Zukunftsfrage ein. Die Rossoneri suchen nach einer enttäuschenden Saison einen sportlichen Neuanfang und sehen im Deutschen den idealen Architekten dafür. Nach italienischen Medienberichten fordert Rangnick umfassende Entscheidungsgewalt über alle sportlichen Belange – von der Trainerfrage bis zur Nachwuchsarbeit.
WM als Karriere-Booster?
Für den ÖFB drängt die Zeit. Eine Absage während der Weltmeisterschaft wäre fatal. Statt über Österreichs Auftritte auf der größten Fußballbühne der Welt zu sprechen, würde die Trainerfrage sämtliche Schlagzeilen dominieren und die WM-Euphorie überschatten. Andererseits wäre eine Vertragsverlängerung noch vor dem ersten Anpfiff ein starkes Signal und könnte die Begeisterung im ganzen Land zusätzlich entfachen.
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Vielleicht betrachtet Rangnick die Situation aber auch mit jener strategischen Nüchternheit, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet. Denn die Weltmeisterschaft könnte für ihn einem Aktienmarkt gleichen. Je erfolgreicher Österreich auftritt, desto höher steigt nicht nur der Wert des Nationalteams, sondern auch sein eigener. Eine starke WM würde seinen Ruf als Fußball-Architekt weiter stärken, zusätzliche Interessenten auf den Plan rufen und möglicherweise sogar seine Verhandlungsposition gegenüber Milan verbessern.
Entscheidung erst nach Enrunde
Aus dieser Perspektive würde vieles dafür sprechen, eine endgültige Entscheidung erst nach dem Turnier zu treffen. Denn sollte Rangnick tatsächlich zu dem Schluss kommen, seine Zukunft nicht beim ÖFB zu sehen, wäre eine Absage nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft für ihn womöglich die attraktivere Variante. Bis dahin könnte sein Marktwert weiter steigen – und damit auch die Zahl und Qualität möglicher Angebote.
Genau deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass ein Bekenntnis zu Österreich noch vor der WM erfolgt, eine Entscheidung gegen den ÖFB hingegen erst nach dem Turnier fällt.
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