Die täglichen Insider-Infos 25.02.2021
Der tägliche Corona-Insider von Isabelle Daniel
Willkommen in der dritten Welle
Die Geschichte wiederhole sich immer zwei Mal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce, schrieb einst Karl Marx. Ein Satz, der in dieser Pandemie eindrücklich widerlegt wird. Sorry für die bad news bei prächtigem Frühlingswetter, aber die Geschichte wiederholt sich in Europa und bei uns gerade zum dritten Mal. Und, dass es eine Farce sein mag, mag stimmen, die Gefahr, dass es freilich eine neuerliche Tragödie wird, ist aber erdrückend groß.
Fast genau ein Jahr nachdem die ersten offiziellen Corona-Fälle – das Virus war freilich viel früher bei uns – in unserer Republik registriert wurden, steigen die Zahlen wieder. Heute wurden 2.391 Neuinfektionen vermeldet. Damit liegen wir im Wochenschnitt bereits bei 2.000 neuen Fällen. In mehreren Bundesländern – Vorarlberg und Tirol sind Ausnahmen – sehen wir zudem seit einer Woche ein exponentielles Wachstum. Derzeit geht man davon aus, dass sich diese Zahlen – bei unveränderten Maßnahmen – alle zwei Wochen verdoppeln würden. Mitte März würden wir also bei 4.000 Neuinfektionen – konservativ gerechnet – in der Woche liegen. Zwei Wochen später – falls sich nichts verbessert oder verschlechtert – würden sie bereits auf den Höchststand von 8.000 die Woche klettern. Willkommen in der dritten Welle.
Wir sehen sie bereits in der Slowakei – dort wollen Politiker Kirchen öffnen, damit die Menschen gegen das Drama beten können – und Tschechien – dort redet die Politik bereits von „höllischen Wochen“ – und warten ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange, um zu sehen, ob wir uns nicht doch durchwurschteln könnten.
Aber sind diese Anstiege denn nicht nur die Folge der vielen Tests, die wir machen? Vergangene Woche war der Anstieg auf 1.700 im Wochenschnitt ziemlich sicher auch Folge der Rekordzahl an Tests geschuldet. In dieser Woche wurde die Teststrategie allerdings nicht mehr verändert. Heißt: Der Anstieg im Vergleich zur Vorwoche hat nichts mehr mit den Massentests zu tun. Leider. Und hier kommen jetzt Öffnungsschritte, Contact Tracing, eine zu geringe Impfquote und die heimtückischen neuen Mutanten ins Spiel, die uns gerade quälen.
Beginnen wir mit den good news: Wir testen derzeit gerade wirklich fast so viel wie Dänemark und Israel. Diese beiden Staaten zeigen freilich, dass auch bei vielen Tests – während eines Lockdowns, (den beide hatten), in Kombination mit vielen Impfungen – die Neuinfektionen auch sinken können.
Testen, testen, testen, bleibt wichtig. Allerdings nur, wenn man auch das contact tracing und das Isolieren verbessert. Ein positives Antigentestergebnis bedeutet schließlich nur, dass man – je nach Antigentest – bereits einen sehr Infektiösen „rausgefischt“ hat. Wirkliche Gültigkeit hat der Test übrigens nur für den Tag an den man ihn macht. Infiziert kann man da bereits sein. Es bleibt das Gebot der Stunde umgehend die Kontaktnachverfolgung zu starten und alle direkten Kontakte mittels PCR zu testen und zu isolieren. Dann und nur dann, können die Tests tatsächlich eine ähnliche Wirkung wie Lockdowns erreichen. Lässt sich ein Viertel der Bevölkerung ein Mal pro Woche testen, kann man den R-Wert – wie viele steckt ein weiterer an – um stolze 0,4 Prozent absenken. Und genau das würde uns die Misere ersparen. Denn unser R-Wert liegt bereits bei der kritischen Marke von 1,1 bis 1,2 – und das bedeutet ein weiteres exponentielles Wachstum.
Die weiteren Good news sind die FFP2-Masken, die wir jetzt tragen. Wechselt man sie täglich – bitte ihre Maske nicht waschen, sie verliert sonst an Wirksamkeit – und setzt sie richtig auf – sie muss eng anliegen – kann man sich zu bis zu 94 Prozent vor einer Ansteckung schützen.
Last but not least, sollten wir das Geschenk der Wissenschaft nicht vergessen: die Impfungen. Sie und nur sie können die Pandemie dereinst wirklich beenden.
Hier kommen wir aber dann leider bereits zu den bad news: denn unsere Impfrate – also jene, die bereits beide Stiche erhalten haben – bleibt jenseits von Gut und Böse.
Zwar wurden jetzt – fast – alle Pflegeheime durchgeimpft, aber nur eine schändlich geringe Rate von den über 80-Jährigen. Ersteres könnte in der dritten Welle die Mortalität zwar senken – in der zweiten bitterbösen Welle machte der Anteil der Verstorbenen in und aus Pflegeheimen rund 40 Prozent aus – aber Zweiteres wird wieder für einen starken Anstieg an schweren Erkrankungen führen.
Aber die Spitäler sind doch „halb leer“, hört man derzeit oft. Nein, die meisten nicht unbedingt notwendigen Operationen finden weiter nicht statt. Zudem sind 251 auf Intensivstationen nach einem Lockdown mehr als manche meinen. Der Spielraum ist gering.
Das berichten auch französische Intensivmediziner, die bereits seit Wochen vor den steigenden Infektionszahlen in ihrem Staat warnen. Der circle of a pandemic – der Kreislauf der Pandemie – startet schließlich immer ähnlich. Zunächst stecken sich sehr Junge – unter 20-Jährige an – diese stecken dann ihre Eltern an, die das dann Generationenübergreifend weitergeben. In wenigen Wochen wird man diesen Anstieg an Hospitalisierungen auch in Österreich bemerken. Französische Intensivmediziner erzählen auch, dass der Altersschnitt auf den Intensivstationen immer jünger werde. Das bestätigen auch ihre israelischen Kollegen. Die Krankheit betrifft nur Methusalem? Vorsicht, die Patienten sind 40, 50 mitunter auch 20 und 30 Jahre alt.
Wieso aber steigen die Zahlen bei uns trotz des Testen und der FFP2-Maske? Weil unsere Kontaktnachverfolgung nach wie vor – in Kärnten ist sie etwa katastrophal – weiter nicht funktioniert. Weil sich mitunter immer dieselben testen lassen und viele selbst mit Symptomen weiter in die Arbeit oder Schule gehen.
Und damit kommen wir zum vermeintlichen „Glaubenskrieg“ um die Schulen. Die vergangenen Tage zeigen deutlich, dass die Daten aus Dänemark, Israel, Frankreich, Italien, Großbritannien, Deutschland – AGES, die das anzweifelte, hin oder her – leider stimmen. Gerade die B.1.1.7 (britische Variante), die im Osten Österreichs bereits die dominante ist, ist auch für Kinder infektiöser, die wiederum auch infektiös sind.
In Hotsport-Bezirken – hallo Kärnten und Hermagor – müssten die Schulen umgehend schließen. Das betrifft übrigens alle Bezirke, die über einer Sieben-Tages-Inzidenz von 200 liegen. In den übrigen Bezirken sollte man dringends auf PCR-Gurgel-Poollösungen zwei Mal die Woche setzen. Das würde Infizierte – Lehrer und Kinder – rechtzeitig erkennen, bevor sie Cluster auslösen, wie wir sie nun täglich beobachten. Sonst lassen wir dem Circle of a pandemic wieder freien Lauf.
Die dritte Welle muss kein Tsunami werden. Es liegt an uns.
Stay safe, be smart.
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