Kanzler im Sonntagsinterview
Kurz: "Kritisch sind 6.000 Neuinfektionen"
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6000 Neuinfektionen pro Tag: Das ist laut Bundeskanzler Kurz die Schmerzgrenze für Intensivstationen. Im großen Sonntagsinterview mit oe24-Chef Niki Fellner zieht Sebastian Kurz Bilanz darüber, wie Österreich mit Corona umgeht und gibt Ausblicke auf die nächsten Wochen.
oe24.TV: Sie waren in Israel wegen einer Impfstoff-Kooperation. Ein Zeichen des Misstrauens gegenüber dem Impfmanagement der EU?
Sebastian Kurz: Nein. Ich bin froh, dass Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin früh aktiv geworden ist. Ja, wir würden uns von der Impfbehörde EMA ein schnelleres und unbürokratischeres Vorgehen wünschen. Aber wir sind fest verankert in der EU und leisten unseren Beitrag.
oe24.TV: Wir sind Platz 7 beim Impfen – nicht schlecht, andererseits zeigt es, dass jede 5. Impfdose liegen bleibt.
Kurz: Wir sind im besten Drittel der EU beim Impfen. Wir sind unter den besten 3 beim Testen und bei Wirtschaftshilfen, und bei Kurzarbeit sind wir sogar Nummer 1. Die Bundesländer bemühen sich – aber wenn 200.000 Dosen kommen, liegen die eine Zeit lang im Lager, bevor sie verimpft sind. Ich bin mit den Ländern in täglichem Kontakt – denn das Wichtigste ist, ältere Menschen zu schützen. Da zählt jeder Tag.
oe24.TV: AstraZeneca ist auch für über 65-Jährige empfohlen. Wann ist diese Gruppe durchgeimpft?
Kurz: Alle Impfstoffe sind jetzt für alle Altersgruppen empfohlen. Ich würde sagen, es ist absolut realistisch, dass wir noch im März und April allen über 65-Jährigen eine Impfung anbieten können.
oe24.TV: Sie haben für Schmunzeln mit dem „Ketchup-Effekt“ gesorgt. Wann kommt denn der große Schwall beim Impfen?
Kurz: Das kommt schon. Wir konnten im Jänner 5.000 Menschen pro Tag impfen, im Februar waren es, wenn ich es richtig im Kopf habe, rund 15.000. Und im März sollten es über 30.000 Menschen sein. So geht es weiter. Im April steigen die Liefermengen dann noch einmal. Das ist schon ordentlich etwas, wenn man bedenkt, dass wir 1,7 Millionen Menschen über 65 im Österreich haben.
oe24.TV: Sie planen jetzt weitere Öffnungsschritte ab 15. März – und der Gesundheitsminister stellt sie schon wieder infrage. Wackelt diese Öffnung bereits?
Kurz: Ich möchte jetzt nicht die täglichen Ansteckungszahlen kommentieren. Sie steigen in einem erwartbaren Ausmaß, und jeder von uns kann einen Beitrag leisten, dass diese Steigerungen nicht in ein explosionsartiges Wachstum übergehen. Wir haben im Westen, in Vorarlberg, eine sehr gute Situation, und wir haben in Ostösterreich drei Mal so hohe Ansteckungszahlen.
oe24.TV: Ab wann wäre denn der Anstieg kritisch?
Kurz: Früher war es so, dass wenn sich 6.000 Menschen pro Tag infizieren, dann halten wir das auf den Intensivstationen nicht mehr lange aus. Ein paar Tage vielleicht, aber dann gehen unsere Intensivstationen über. Mit jeder älteren Person, die geimpft wird, reduzieren wir das Risiko für einen schweren Verlauf. Insofern verschiebt sich diese Grenze laufend.
oe24.TV: Das heißt – Stand Freitagabend – es bleibt bei den Öffnungsschritten?
Kurz: Es gilt immer das, was wir gemeinsam vereinbaren. Da gibt es derzeit nichts hinzuzufügen.
oe24.TV: Sie sagen immer, im Sommer haben wir die Pandemie vorläufig überwunden. Bleiben Sie dabei?
Kurz: Dabei bleibe ich, ich bin da sehr optimistisch, dass wir im Sommer wieder zur Normalität zurückkehren.
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