Wiens Bürgermeister im Interview
Ludwig: "Die Lage ist sehr ernst"
Wiens Bürgermeister im Interview exklusiv mit ÖSTERREICH:
ÖSTERREICH: Heute beginnt der Lockdown in Wien. Wie ernst ist die Lage?
Michael Ludwig: Die Lage ist sehr ernst, insbesondere auf den Intensivstationen. Ich habe in erster Linie die Verantwortung für die Wiener Bevölkerung. Aber wir behandeln in Wien auch komplizierte Fälle aus anderen Bundesländern.
ÖSTERREICH: Das heißt?
Ludwig: Daher habe ich rigide Maßnahmen beschlossen. Als Politiker muss man in so einer Situation auch unpopuläre Maßnahmen beschließen und Verantwortung übernehmen, weil es um die Gesundheit und Menschenleben geht.
ÖSTERREICH: Ist eine Verlängerung über den 11. April hinaus wahrscheinlich?
Ludwig: Eine Verlängerung ist nicht auszuschließen. Aber jetzt ist es dringend nötig, die physischen Kontakte zu reduzieren. Leider ist die britische Variante viel aggressiver und kann wirklich jeden treffen. Es erkranken immer wieder auch sehr junge Menschen sehr schwer, die dann mehrere Wochen auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Ich übernehme als Bürgermeister gerne die Verantwortung, aber die Bundesregierung delegiert da ihre Verantwortung an die Länder. Sie sollte massiv eingreifen in ganz Österreich – vielleicht mit Ausnahme Vorarlbergs –, agieren, bevor auch in anderen Bundesländern die Intensivkapazitäten ausgelastet sind.
ÖSTERREICH: Sie meinen den Kanzler?
Ludwig: Mir ist nicht klar, worauf er noch wartet? In so einer Situation kann man sich der Verantwortung nicht nicht stellen. Er sollte jetzt dringend den Gesundheitsminister unterstützen. Alle Experten haben sich mindestens für einen zweiwöchigen Lockdown ausgesprochen.
ÖSTERREICH: Warum jetzt die FFP2-Pflicht im Freien?
Ludwig: Weil man sich bei der aggressiveren Variante leider auch im Freien anstecken kann, wenn viele Menschen eng an einem Platz sind. Daher gilt das ab heute an Plätzen wie etwa Donaukanal oder Stephansplatz.
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