"Öffnen nur, wenn es verantwortbar ist"
Anschober im Interview: Lockdown-Ende noch nicht fix
Wien. Keine Entspannung an der Corona-Front. Auch am Samstag gab es 1.626 Neuinfektionen – mit 297 die meisten in Niederösterreich. Und auch immer öfter werden die neuen, viel ansteckenderen Virusmutationen nachgewiesen. Dabei hatte die Regierung es als Ziel ausgegeben, die Zahl müsste auf unter 1.000 sinken. Als Ziel bei der Sieben-Tage-Inzidenz gilt 50 pro 100.000 Einwohner, gestern hatten wir noch 117.
Interview mit Minister Rudolf Anschober
ÖSTERREICH: Wie wollen Sie diese „Impfdrängler“ in den Griff bekommen?
Rudolf ANSCHOBER: Wir haben in unseren Vorgaben die Reihung einzelner Personen geregelt und das auch den Bundesländern mitgeteilt. Impfstoffbestellungen dürfen nur für Personen der jeweils zu impfenden Zielgruppe getätigt werden. Und das muss in Listen nachvollziehbar sein. Die Gesundheitsbehörden vor Ort können diese Listen stichprobenartig kontrollieren. Ich appelliere dringend, sich nicht vorzudrängen.
ÖSTERREICH: Sollte es da nicht auch Strafen geben?
ANSCHOBER: Wenn Politiker sich bereichern oder sich einen Vorteil verschaffen, der ihnen nicht zusteht, ist das Korruption. Und die sollte selbstverständlich unterbunden werden. Bei reinem Vordrängen geht es um die politische Verantwortung. Ich kann jeden nur warnen. Es sei denn, ein Politiker ist, wie andere Freiwillige, ehrenamtlich im Altenheim aktiv, dann kann er geimpft werden.
ÖSTERREICH: Können Sie den Impfplan überhaupt einhalten? Jetzt kommt die Hiobsbotschaft, dass AstraZeneca weniger liefert.
ANSCHOBER: Aktuell gibt es bei Biontech/Pifzer nur kurzfristige Lieferabweichungen. Für solche Fälle gibt es einen gewissen Spielraum. Bereits ab Februar wird es in Österreich sogar noch mehr Biontech/Pfizer-Impfstoff als bisher geplant geben. Die Verringerungen der Lieferungsmengen für das erste Quartal durch AstraZeneca sind für mich völlig inakzeptabel. Zugesagte Liefermengen müssen eingehalten werden.
ÖSTERREICH: Stellt das nicht Ihre ganze Impfstrategie infrage?
ANSCHOBER: Es zeigt sich jetzt, wie wichtig es war, dass Österreich in den vergangenen Wochen große zusätzliche Mengen an Impfstoff von Biontech/Pfizer im Rahmen des EU-Beschaffungsprogramms eingekauft hat. Insgesamt haben wir so die Option auf 11,1 Millionen Biontech/Pfizer-Dosen bis Ende des Jahres. Wir sind derzeit dabei, zwei Varianten vorzulegen, damit wir nach Zulassung weiterer Impfstoffe rasch in Umsetzung gehen können.
ÖSTERREICH: Wann lassen Sie sich denn impfen?
ANSCHOBER: Ich lasse mich dann impfen, wenn ich an der Reihe bin und genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich freue mich schon sehr! Wir haben mit der Impfung so eine große Chance, die Wende gegen die Pandemie zu schaffen.
ÖSTERREICH: Zum Lockdown: Die Zahlen sinken einfach nicht. Warum?
ANSCHOBER: Die Frage ist nicht, warum die Zahlen nicht zurückgehen, sondern eher, wie hoch sie wären, wenn wir aktuell keine Maßnahmen setzen würden. Österreich steht im Moment vergleichsweise gut da. Man braucht nur in viele unserer Nachbarländer zu blicken, wo die Zahlen gerade explodieren. Aber das große Problem ist B.1.1.7, die neue hochansteckende Mutation, die sich in ganz Europa und auch Österreich sehr dynamisch ausbreitet.
ÖSTERREICH: Unter welchen Voraussetzungen kann es denn ab 8. Februar Öffnungsschritte geben?
Anschober: Wenn wir die Pandemie bis zu diesem Zeitpunkt gut kontrollieren können und auch die Mutation kein hohes Risiko darstellt.
ÖSTERREICH: Könnte es sein, dass der Lockdown ansonsten verlängert wird?
ANSCHOBER: In der kommenden Woche machen wir mit der Wissenschaft und den Ländern umfassende Evaluierungen – diese sind dann eine Entscheidungsgrundlage. Natürlich ist es mein Ziel, schrittweise kontrolliert zu öffnen – aber nur dann, wenn das verantwortbar ist.
ÖSTERREICH: Es gibt einen Wettlauf Impfungen gegen neue Mutationen. Was glauben Sie, wer am Ende siegt?
ANSCHOBER: Natürlich werden wir siegen. Am Anfang der Pandemie hatten wir nur wenige Mittel zur Verfügung. Heute haben wir die Impfung, und diese wird uns zurück in die Normalität bringen. Immer mehr Menschen wollen sich impfen lassen – das sind sehr gute Aussichten.
Interview: G. Schröder
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