Freitagsgebet
Khamenei sieht Ahmadinejad als Sieger
Der oberste Geistliche Führer sieht Ahmadinejad als klaren Sieger. Khamenei betont die Gültigkeit der Wahl - trotz kursierender Briefe mit dem angeblichen offiziellen Ergebnis. Scharfe Kritik übt er am Westen, insbesondere an Großbritannien.
Im Iran brodelt es weiter: Demonstranten des Reformkandidaten Mir-Hossein Moussavi verteilen in Teheran Kopien eines Briefes, der die Wahlfälschung angeblich dokumentieren soll. Das Schreiben soll aus dem Innenministerium stammen, es beinhaltet das echte Wahlergebnis. Demzufolge ist Moussavi mit Abstand Sieger der Präsidentschaftswahl. Adressat des Briefes ist der Geistliche Führer im Iran, Ayatollah Ali Khameinei.
Rezaie: 140 Prozent Stimmen gezählt!
Der unterlegene iranische Präsidentschaftskandidat Mohsen Rezaie hat seine Kritik an Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vom vergangenen Freitag bekräftigt. Er verfüge über eine Liste von 170 Wahlbezirken, in denen nach den offiziellen Auswertungen zwischen 95 und 140 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hätten, sagte Resai am Donnerstagabend im staatlichen Fernsehen. Das Innenministerium müsse die Auszählungsergebnisse für alle Wahllokale offenlegen, forderte der konservative Präsidentschaftskandidat, der dem Ergebnis zufolge abgeschlagen auf Platz drei landete.
Freitagsgebet: Ruhe ist oberstes Gebot
Der oberste Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, hat unterdesssen in seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Massenproteste in Teheran zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen.
In seinem Freitagsgebet vor Zehntausenden Menschen an der Teheraner Universität sagte er nach einer Übersetzung des britischen Senders BBC, lasst Euch durch Eure "politische Begeisterung" nicht vom Weg Gottes abbringen.
Khamenei: "Klarer Sieger"
Laut Khamenei hat es bei der umstrittenen Präsidentenwahl einen "klaren Sieg" gegeben. Er verwies auf den Abstand von elf Millionen Stimmen zwischen Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad und seinem Herausforderer Mir-Hossein Moussavi. Es habe keinen Wahlbetrug gegeben.
Er betonte aber auch, es stehe den Kandidaten offen zu protestieren. Sie könnten anwesend sein, wenn "einige" der Stimmen noch einmal ausgezählt würden. Gleichzeitig müssten die Kandidaten aber vorsichtig mit ihren Aussagen sein, da diese gefährliche Konsequenzen haben und die Gesellschaft radikalisieren könnten.
Über Großbritannien entsetzt
Westlichen Führern warf er vor, sie hätten in der Debatte ihre Maske fallen gelassen und gegenüber dem Iran ihr wahres Gesicht gezeigt. Am schlimmsten sei dabei sei die britische Regierung gewesen.
Unstimmigkeiten
Der Wächterrat lud unterdessen die drei unterlegenen Kandidaten der umstrittenen Präsidentschaftswahl für Samstag ein, an einer Prüfung der Wahlergebnisse teilzunehmen. Die Kandidaten hätten 646 Unstimmigkeiten bei der Abstimmung vom vergangenen Freitag angeprangert, sagte ein Sprecher des Gremiums, das aus sechs Geistlichen und sechs hohen Richtern zusammengesetzt ist.
Für Samstag hat auch eine Gruppe von islamischen Klerikern eine Demonstration in Teheran angekündigt. Moussavi und der reformorientierte Ex-Präsident Mohammed Khatami hatten angekündigt, an dieser Kundgebung teilnehmen zu wollen.
Hundertausende auf der Strasse
Am Donnerstag waren Hunderttausende Iraner dem Aufruf Moussavis gefolgt und hatten sich an einer Trauerkundgebung für die bei den Protesten der vergangenen Tage getöteten Demonstranten beteiligt. Die Schätzung der Teilnehmerzahl stammt von Press TV, einer englischen Ausgabe des iranischen Staatsfernsehens. Ausländischen Journalisten ist verboten worden, direkt von den Straßen Teherans zu berichten.
"Tod dem Diktator"
Moussavi hielt eine kurze Rede vor den Demonstranten, von denen viele schwarze Kleidung und schwarze Kerzen trugen, die sie bei Anbruch der Dunkelheit anzündeten, wie Press TV berichtete. Andere trugen Bänder in Grün, der Kennfarbe Moussavis. Der laut offiziellem Ergebnis klar unterlegene Präsidentschaftskandidat habe zur Ruhe und Selbstbeherrschung aufgerufen. Einige Demonstranten riefen "Tod dem Diktator", andere trugen Schilder mit der Aufschrift: "Wo sind unsere Stimmen?".
Versöhnlicher Ahmadinejad
Ahmadinejad relativierte unterdessen seine scharfe Kritik an den Demonstrationen der Opposition nach seinem umstrittenen Wahlsieg. In einer am Donnerstagabend im iranischen Fernsehen gesendeten Erklärung sagte er, jeder einzelne Iraner sei wertvoll. "Die Regierung ist jedermann zu Diensten. Wir mögen jeden."
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sprach sich dafür aus, den Urnengang für ungültig zu erklären. Die Wahl müsse unter Beobachtung internationaler Organisationen neu abgehalten werden, schrieb die Juristin und Menschenrechtsaktivistin in einer Kolumne für die US-Online-Zeitung "Huffington Post" (Donnerstag-Ausgabe).
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