Steigender Druck

"Angst!" Die Psycho-Beichte der Ballermann-Stars

Mia Julia
© Getty Images
Mallorca hat nicht nur Sonnenseiten: Die großen Stars der Playa sprechen ehrlich über Burnout, Depressionen und Therapie.
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Sonne, Promille und scheinbar endlose Gaudi: Dafür steht die Playa de Palma auf Mallorca. In Institutionen wie dem "Megapark" oder dem "Bierkönig“geben sich die Stars der Szene täglich vor tausenden Urlaubern das Mikrofon in die Hand. Die Fassade steht: Immer fesch, immer bestens gelaunt. Doch hinter dem Kulissenschieber der Urlaubsinsel herrscht knallharter Existenzkampf. Druck, Neid und die nackte Angst vor dem sozialen Abstieg prägen das Geschäft abseits der Bühne. Gegenüber „BILD" erzählten einige Künstlern über die Kehrseite des Erfolgs. Während viele aus Angst vor dem Karriereknick lieber schweigen, packen einige wenige nun aus.

"Mit Depression muss man lernen umzugehen"

Mia Julia (39) gehört seit 2012 zum fixen Inventar der Playa und hat sich seither mühsam zur unangefochtenen Party-Königin hochgearbeitet. Doch der Weg an die Spitze hinterließ Spuren: Bis vor zwei Jahren habe sie sich "ständig durchgepeitscht". "Ich lief auf Hochtouren. Hatte Angst, den Anschluss zu verlieren", sagt sie. "Zukunftsängste waren ein großes Thema." Mehrfach stand die Sängerin knapp vor dem Burn-out. Erst nach intensiven Gesprächen mit ihrem Ehemann Peter (46) sei ihr klargeworden, was sie eigentlich schon geleistet hat – und sie konnte endlich ein wenig herunterschalten.

Bereits 2023 brach Mia Julia als erste der ganz großen Malle-Größen das Tabu und sprach öffentlich über Depressionen. Diese seien zwar nicht direkt auf den Beruf zurückzuführen. "Denn ich liebe es, die Menschen vor der Bühne glücklich zu machen." Aber das Seelenleben schaut oft anders aus: "In mir drin ist es immer wieder auch sehr grau. Damit muss man lernen umzugehen."

Das Haifischbecken der Nachwuchskünstler

Noch ungleich härter trifft der Druck jene, die in der Hierarchie weiter unten stehen und sich jeden Auftritt mühsam erkämpfen müssen. So wie Malin Brown (35). Sie steht seit Oktober 2022 im "Bierkönig" auf der Bühne. Besonders das heurige Jahr 2025 war von schweren Selbstzweifeln geprägt. "Ich war unzufrieden, denn meine Karriere stagnierte", sagt sie gegenüber BILD. Zeitgleich wuchs der Erwartungsdruck von außen. "Ich wurde öfter darauf angesprochen, dass ich noch keinen Hit gelandet habe."

Dazu kommt das unbarmherzige Diktat der sozialen Medien: Wer nicht täglich auf Instagram liefert, wird vom Algorithmus abgestraft. "Sonst geht die Reichweite runter. Social Media ist aber ein wichtiger Weg, um auf mich aufmerksam zu machen", schildert die Sängerin den digitalen Stress. "Daher poste ich das erste Reel gleich nach dem Wachwerden. Mache ich das mal nicht, habe ich ein schlechtes Gefühl."

Das ständige Buhlen um gute Auftrittszeiten und die Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können, zehren an den Nerven. "Es ist ein Haifischbecken. Und man ist auf Malle schnell weg vom Fenster." Am Ende verlor Malin Brown ihr Lachen komplett. "Bereits die kleinsten Dinge haben mich belastet", sagt sie. "Ich wollte nicht mehr innerlich leiden und mich so schrecklich traurig fühlen. Deshalb habe ich mir professionelle Hilfe bei einer Psychologin gesucht. Alleine hätte ich es nicht mehr geschafft, mit diesem Druck umzugehen." Ein Schritt, der sich bezahlt machte: "Mittlerweile habe ich mein Lachen zurück."

Der Fluch des Megahits

Dass selbst absolute Top-Acts vor den psychischen Belastungen nicht gefeit sind, zeigt das Beispiel von DJ Robin (30). Gemeinsam mit seinem Kollegen Schürze (34) lieferte er 2022 mit "Layla" den Ballermann-Überhit schlechthin – der Song thronte neun Wochen lang auf Platz 1 der Charts. Doch der tiefe Fall im Kopf kam nach dem ganz großen Triumph. "Ich möchte nicht als One-Hit-Wonder gelten", lässt er wissen. Weitere Erfolge folgten zwar, "doch an 'Layla' werde ich wohl niemals wieder rankommen."

Als der erste große Hype abflachte, setzten dem Künstler Existenzängste und Zukunftssorgen zu. "Die Musik alleine reicht nicht mehr", so DJ Robin. "Wenn dann mal ein Instagram-Post nicht funktioniert, fange ich an zu zweifeln. Der Druck hat deutlich zugenommen."

Therapie als Anker

In der Folge suchte er sich Unterstützung bei einem Coach. "Ich konnte so meine Verlustängste bekämpfen und lernen, mit dem Druck klarzukommen." Nach seinen Schätzungen haben bereits rund 90 Prozent seiner Branchenkollegen therapeutische Hilfe in Anspruch genommen – doch kaum jemand traut sich, das offen auszusprechen. Viele Künstler bestätigten diese Zahlenhinter vorgehaltener Hand, wollten aber keinesfalls namentlich genannt werden. Die Angst vor dem Imageverlust ist allgegenwärtig. "Es wird von uns erwartet, immer gute Laune zu haben. Das ist unser Job", bilanziert DJ Robin. "Aber es wird leider vieles schöngeredet. Dabei ist es eine Stärke, zu seinen Schwächen zu stehen."

Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz

Dass Besserung in Sicht ist, wagt Produzent und Sänger Matthias Distel (bekannt als Ikke Hüftgold, 49) stark zu bezweifeln. Ganz im Gegenteil: Durch den Vormarsch von Künstlicher Intelligenz schießen Möchtegern-Partystars wie Schwammerl aus dem Boden. "Wir bekommen am Tag bis zu 20 Songs zugeschickt", erklärt er. "Da ist ganz viel Schrott dabei. Dennoch verschärft es den Konkurrenzkampf." Sein bitteres Resümee für die Zukunft: "Wer noch nicht etabliert ist, für den kommt es in den nächsten Jahren knüppelhart."

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