Kehrtwende

Experte kündigt Zins-Hammer an

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Schon kommende Woche kommt es wohl zur Kehrtwende.
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Mehr Inflation, weiter keine Lösung im Iran-Krieg, Unsicherheit weit und breit: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat genug Gründe, nächste Woche am 11. Juni ihren Leitzins zu erhöhen. Ökonomen und Finanzmarktexperten rechnen fest damit, dass die Notenbanker den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent anheben werden - zum ersten Mal seit fast drei Jahren.

"Der EZB bleibt nichts anderes übrig, als ihre Leitzinsen auf der Sitzung nächste Woche anzuheben", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Vermutlich dürfte sie sie nach der Sommerpause erneut erhöhen."

Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist die Inflation vor allem wegen des hohen Ölpreises gestiegen. Lag die Jahresteuerung im Februar noch bei 1,9 Prozent, waren es im Mai 3,2 Prozent. Dies liegt deutlich über der Zielmarke der EZB. Denn sie sieht eine Inflation von zwei Prozent mittelfristig als ideal für die Konjunktur im Euroraum. Neben Energie verteuerten sich zuletzt auch Dienstleistungen überdurchschnittlich mit 3,5 Prozent. Dass damit Zweitrundeneffekte drohen, zeigt auch die Kerninflation. Diese um die schwankenden Preise von Energie und Lebensmitteln bereinigte Teuerung stieg im Mai spürbar von 2,2 auf 2,5 Prozent.

Sorge vor Zweitrundeneffekten

"Die Kombination aus Energiepreisschock und anhaltend hohem inländischem Preisdruck wird in der Europäischen Zentralbank zu Stirnrunzeln führen und den Weg für eine Zinsanhebung im Juni ebnen", sagte Chefökonom Dirk Schumacher von der staatlichen Förderbank KfW. Auch Daniel Hartmann, Chefvolkswirt vom Vermögensverwalter Bantleon, sieht einen Zinsschritt als "nahezu ausgemachte Sache". Mit Blick auf die Verfechter einer straffen Geldpolitik sagt er: "Die Falken im EZB-Rat werden sich bestärkt sehen und zur Wahrung der Glaubwürdigkeit für einen geldpolitischen Kurswechsel plädieren."

EZB-Präsidentin Christine Lagarde und andere Vertreter der Zentralbank hatten wiederholt klar gemacht, dass die EZB zum Handeln bereit sei, wenn es die Datenlage erfordere. "Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig", sagte jüngst EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Die deutsche Top-Ökonomin fügte hinzu, dass sich die EZB nie im Voraus festlege. Der Schock arbeite sich jedoch durch die Wirtschaft und treibe die Inflation über "einen beträchtlichen Zeitraum" vom Zielwert der Notenbank weg.

Mehrfach belassen

Die EZB hatte den Leitzins mehrfach bei 2,0 Prozent belassen. Die erwartete Erhöhung auf 2,25 Prozent wäre aber wohl nicht die letzte in diesem Jahr. Schnabel äußerte sich zwar nicht konkret zu weiteren Zinsschritten für 2026, räumte aber ein: "Was ich sagen kann, ist, dass bereits das Basisszenario, das wir im März hatten, zwei Zinserhöhungen berücksichtigte."

Studie sieht ebenso Steigerung kommen

Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat die öffentlichen Äußerungen von EZB-Mitgliedern ausgewertet und rechnet ebenfalls mit einer bevorstehenden Zinserhöhung. "Die Eskalation des Iran-Konflikts hat die geldpolitische Debatte in der Eurozone binnen weniger Wochen vollständig neu geordnet", sagte ZEW-Experte Friedrich Heinemann. "Was wir sehen, ist kein langsamer Richtungswechsel, sondern ein schneller, scharfer Kurswechsel in Richtung restriktiver Kommunikation." Die Gefahr einer zweiten Inflationswelle werde ernst genommen und die Bereitschaft zu einem Zinsschritt sei vorhanden. "Wenn sich die Ratsmitglieder in der Sprache einig sind, wird das Signal für die Märkte besonders klar", sagte Heinemann. Am Finanzmarkt wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung derzeit auf über 99 Prozent geschätzt.

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