Interview

Jetzt will Neos-Chefin Paketsteuer abschaffen

Frau spricht vor Mikrofon, im Hintergrund sind EU- und österreichische Flagge zu sehen.
© APA/HANS KLAUS TECHT
Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger lässt jetzt aufhorchen. oe24 berichtet seit Tagen, dass die Paketsteuer wackelt. Jetzt soll sie offenbar lieber früher als später abgeschafft werden.
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Die Paketsteuer belastet Millionen Österreicher mit einer neuen Abgabe und trifft bei weitem nicht nur China-Händler, sondern rund 4.000 Austro-Händler. Seit 1. Oktober ist der Wirbel groß. Jetzt äußern sich immer mehr höchstrangige Regierungspolitiker gegen die Steuer.

Den Auftakt machte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) auf oe24: Er habe "keine Freude" mit der Paketsteuer, sei "kein Freund der Paketabgabe".

Ein Tag vor NEOS-Mitglieder-Versammlung: Steuer ist "echter Murks"

Jetzt folgte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger. Sie sagte einen Tag vor der NEOS-Mitglieder-Versammlung in Linz, dass die Paket-Steuer ein "echter Murks" ist. Im Kurier-Interview meinte sie: "Verantwortung bedeutet immer auch, dass man sieht, wenn etwas nicht gelungen ist."

“Die nationale Paketsteuer ist ein 2,40-Euro-Österreich-Aufschlag im Onlinehandel. Sie belastet den Wirtschaftsstandort, verhindert Innovation, erzeugt zusätzliche Bürokratie und befeuert den Inflationsdruck in der Bevölkerung.”

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will

Dann fällt die Steuer laut NEOS-Chefin weg

Außenministerin und Partei-Chefin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sagte dem Kurier: "Ich appelliere an die Koalitionspartner, dass wir noch einmal in uns gehen und schauen, ob wir das Volumen nicht anders aufstellen können, beispielsweise mit Sparen im System."

Sparen könnte man etwa "bei Kleinstförderungen und einem niedrigeren Deckel bei der Weiterbildungszeit". Meinl-Reisinger sagt: "Im Gegenzug könnten wir auf die Paketsteuer verzichten, die viele Menschen verständlicherweise ärgert."

Der Handelsverband ist mittlerweile mit einer Beschwerde gegen die Paketsteuer vor die EU-Kommission gezogen. Zalando hat eine Klage beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Otto will die Steuer-Bescheide per Beschwerde bekämpfen.

Auf oe24-Anfrage heißt es aus dem Finanzministerium, das letztlich für die Steuer zuständig ist, wie folgt:

“Die Paketabgabe ist Teil der Gegenfinanzierung der Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel. Beide Maßnahmen sind von der gesamten Bundesregierung vereinbart und von den Koalitionsparteien im Parlament beschlossen worden. Eine Abschaffung der Paketabgabe, würde dazu führen, dass im Budget 280 Millionen Euro pro Jahr fehlen.”

Aktuelle Stellungnahme aus dem Finanzministerium

Stationärer Handel klagt über gesammelte Großeinkäufe auf Online-Plattformen

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will sagt oe24: "Auch aus dem stationären Handel hören wir erste negative Meldungen, da viele Kunden jetzt statt Ergänzungskäufen bei Onlineplattformen Großbestellungen machen, um die Paketsteuer auf möglichst viele Produkte aufzuteilen."

Das Finanzministerium rechnet weiterhin mit einem Paketsteueraufkommen von 280 Mio. Euro pro Jahr. Dies soll die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel zum Teil gegenfinanzieren. "Obwohl für den Versandhandel auch die heimische Infrastruktur notwendig ist, leisten Versandhändler oftmals einen vergleichsweise geringen Beitrag zur nationalen Wertschöpfung und der Bewältigung der sich aus dem Versandhandel ergebenden Herausforderungen", hieß es in einer Stellungnahme des Finanzministeriums.

Das Ministerium verwies auch auf die durch den Onlinehandel stark gestiegene Anzahl von zugestellten Paketen in Österreich und die daraus resultierenden "erheblichen Herausforderungen, beispielsweise im Bereich des Umweltschutzes".

“Unser Ziel ist es, die Flut an subventionierten Billig-Packerln einzudämmen, um unsere heimischen Betriebe und Händlerinnen und Händler zu schützen. Darin liegt der Fokus unserer Arbeit, nicht in neuen Belastungen und Hürden in Form von Breitensteuern. Sollte die Paketabgabe rechtlich aufgehoben werden, muss sie fallen und müssen wir auf unser Ursprungsanliegen, die Billig-Packerlflut zu stoppen, zurückkommen.”

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zu oe24

Mehrwertsteuer-Senkung auf Grundnahrungsmittel bringt im Schnitt 6 € im Monat

Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt spart sich nach Angaben des Budgetdienstes des Parlaments durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel im Durchschnitt sechs Euro im Monat.

“Die Entlastung durch die Mehrwertsteuer-Senkung auf bestimmte Lebensmittel liegt in den unteren Einkommensdezilen aufgrund der geringeren Ausgaben für Nahrungsmittel unter diesem Durchschnitt [Anm.: 73 EUR pro Jahr]. Im ersten Dezil werden Haushalte um durchschnittlich 57 EUR pro Jahr entlastet, im zehnten Dezil um 87 EUR.”

Analyse des Budgetdienstes, Österreichisches Parlament

"Durch die neue Paketabgabe zahlt jetzt jeder Haushalt im Land das Doppelte drauf", kritisiert Will.

Versandhändler mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz in Österreich müssen die Steuer in Höhe von zwei Euro pro Paket oder Bestellung bezahlen. Inklusive Umsatzsteuer sind es 2,40 Euro. 15 große Onlinehändler und Online-Marktplätze, die Pakete an Endverbraucher verschicken, sind von der nationalen Paketsteuer betroffen.

Zu den Unternehmen zählen die dominierenden Online-Handelskonzerne

  • Amazon,
  • Temu und
  • Zalando,
  • aber auch Shop-Apotheke,
  • Ebay.at/Ebay.de,
  • Otto,
  • Best Secret,
  • AliExpress,
  • Mediamarkt,
  • Apple,
  • Universal,
  • Ikea,
  • Shein
  • und XXXLutz.

Weiters müssen rund 4.000 heimische Händler, die über Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay verkaufen, ebenfalls Paketsteuer zahlen.

Das Finanzministerium hält noch an der Steuer fest und sagt oe24: "Die Paketabgabe ist Teil der Gegenfinanzierung der Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel." Eine Abschaffung würde ein 280-Millionen- Euro-Loch ins Budget reißen. Pro Jahr. Eine Studie der GAW (Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung, Innsbruck) zeigt aber, dass die Paketsteuer 300 Mio. Wirtschaftsleistung vernichtet und 2.800 Arbeitsplätze bedroht.

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