Turbo

KI-Studie: Diese Branchen profitieren am meisten

Ein Mann im Anzug spricht auf einer Bühne mit zwei Mikrofonen vor pinkem Hintergrund.
© BKA Dunker
Studie des Forschungsinstituts Economica im Auftrag von Microsoft Österreich zeigt Potenzial für unsere Wirtschaft
OE24 auf Google bevorzugen

Künstliche Intelligenz (KI) könnte weiten Teilen der österreichischen Wirtschaft Produktivitätszuwächse bringen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Forschungsinstituts Economica im Auftrag von Microsoft Österreich. KI sei keine Nischen-, sondern eine Basistechnologie, deren Potenzial sich über weite Teile der Wirtschaft erstrecke, erklärte Christian Helmenstein, Studienautor und Economica-Leiter bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Untersuchung.

Arbeitsvermehrender technologischer Fortschritt könne so auch bei einer alternden Gesellschaft den Wohlstand sichern, macht Helmenstein eine große Chance aus. Um diese zu nutzen, brauche es daher sowohl breit einsetzbare Anwendungen als auch spezialisierte Lösungen für branchenspezifische Anwendungsfelder.

Die Politik sei darin gefordert, Innovation zu fördern und gleichzeitig die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen sowie durch digitale Bildung auf den Wandel vorzubereiten, erklärte inzwischen Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung.

Talfahrt der österreichischen Industrie gestoppt
© APA/HANS KLAUS TECHT

Industrie und Handel mit größtem Potenzial

Die größten absoluten Gewinne in der Wertschöpfung liegen laut Helmenstein dort, wo wirtschaftliche Bedeutung und technisches Potenzial zusammentreffen. Dies seien Bereiche, die bereits einen wichtigen Platz in der österreichischen Wirtschaft einnehmen sowie breite KI-Anwendungsmöglichkeiten, etwa wenn sie datenintensive Aufgaben beinhalten, aufweisen. Konkret betreffe dies die Sektoren Industrie, Handel, Finanz- und Versicherungswesen sowie freiberufliche und technische Dienstleistungen, geht aus der Studie hervor. Diese würden demnach rund die Hälfte des KI-Potenzials ausmachen.

Die Ergebnisse bauen auf einer bereits 2024 erschienenen Studie auf. Demnach könnte KI die heimische Wertschöpfung um bis zu 18 Prozent steigern, allerdings nur, wenn die durch KI-Einsatz freigewordene Arbeitszeit von bis zu 2,24 Milliarden Arbeitsstunden produktiv wiederverwendet wird. Dies basiere auf konservativen Annahmen, betonte Helmenstein, da etwa KI-bedingte Qualitätssteigerungen und Innovation nicht berücksichtigt würden.

Schwer Kranker bekommt Pflegestufe 5
© Apa/Symbolbild

Potenzial auch bei Handwerksberufen oder in der Pflege

Mit Blick auf die Berufsebene gebe es bei den akademischen Berufen, Technikerinnen und Technikern sowie Handwerksberufen das größte Potenzial. Auffällig ist dabei, dass viele dieser Berufsprofile nicht typischerweise mit KI-Substituierbarkeit assoziiert werden. Dabei gebe es laut Helmenstein beispielsweise im Handwerk erhebliche Möglichkeiten zur Prozessoptimierung, etwa durch verbesserte Preisgestaltung, Lagerplanung oder in der Qualitätssicherung.

Auch in der Pflege könnte Automatisierung - von Putzrobotern bis zur Optimierung von Dienstplänen - mehr Zeit für Tätigkeiten freiräumen, die menschliche Interaktion erfordern.

Die Annahme, dass KI in physisch orientierten Berufen keinen hohen Produktivitätsbeitrag liefern könne, sei also ein Irrtum, fasste Helmenstein zusammen. Vielmehr könnten belastende Aufgaben abgegeben werden, was Arbeitskräftemangel wie in der Pflege vorbeugen könne.

Ein Mann im Anzug spricht auf einer Bühne mit Mikrofon vor blauem Hintergrund.
Alexander Pröll für KI-Fortschritt. © Florian Schrötter

Staatsekretär Pröll: KI-Wettbewerb annehmen

Alexander Pröll betonte inzwischen, die Sorgen der Menschen bezüglich der Disruption durch KI zu verstehen. Den Österreicherinnen und Österreichern sei aber die Wahrheit zumutbar, dass es nicht mehr Arbeitsplätze geben werde. Dies treffe jedoch auch auf eine alternde Bevölkerung, in der weniger Arbeitende produktiver sein werden müssen. "KI kann hier die Antwort sein", sagte der Digitalisierungsstaatssekretär.

"Diese Veränderung wird kommen, ob wir sie wollen oder nicht", schwor er die Bevölkerung ein. Österreich müsse Innovation annehmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und langfristig Arbeitsplätze zu sichern, so Pröll, der die Top 5 der führenden KI-Märkte weltweit als Ziel ausgibt.

Digitale Weiterbildung gefordert

Hierfür erfordere es neben breiter und ehrlicher Kommunikation einen Fokus auf digitale Bildung. "Wir werden eine Veränderung des Jobprofils erleben", erwartet Pröll, weshalb man auf Digitale Weiterbildung setze. Man würde nicht von KI ersetzt, sondern von Personen, die KI beherrschen, betonte Hermann Erlach, General Manager Microsoft Österreich, die Selbstverantwortung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Empirie bestätige diese Argumentation, erklärte Volkswirt Helmenstein. So würden verschiedenen Studien zufolge 80-90 Prozent aller Jobs neu definiert, während lediglich 9-12 Prozent ganz verloren gehen. Der politische Auftrag sei somit klar - man müsse rechtzeitig "up-" und "reskillen", um den Betroffenen der 9-12 Prozent neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden