Truppen rücken vor
Kriegserklärung! Jetzt droht Afrika ein neuer Krieg
Eritreische Streitkräfte sollen am Mittwoch die Grenze zu Äthiopien überquert haben und in Richtung der nördlichen Konfliktregion Tigray vorgerückt sein. Das berichtete Jalale Getachew Birru, Ostafrika-Analystin bei der Konfliktdatenorganisation Acled. Ihren Angaben zufolge sollen äthiopische Drohnen die Truppen angegriffen haben.
Auch Augenzeugen berichteten dem britischen Sender BBC von Dutzenden Lastwagen mit Soldaten, die Richtung Süden unterwegs gewesen seien. Forscher des US-Sicherheitsinstituts Critical Threats Project stuften mehrere online verbreitete Bilder und Videos eritreischer Truppen in Tigray als authentisch ein. Die Berichte konnten jedoch nicht in allen Einzelheiten unabhängig bestätigt werden.
UNO fordert sofortiges Ende der Kämpfe
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Angesichts der wachsenden Spannungen hat sich nun UN-Generalsekretär António Guterres zu Wort gemeldet. Am 10. Oktober zeigte er sich angesichts der erneuten Kämpfe in den äthiopischen Regionen Tigray, Afar und Amhara "zutiefst besorgt". Er forderte alle Konfliktparteien auf, die Kampfhandlungen sofort einzustellen und zum Dialog im Rahmen des Pretoria-Friedensabkommens zurückzukehren.
Besonders besorgt zeigte sich Guterres über Berichte, wonach eritreische Streitkräfte in Äthiopien präsent sein sollen. Alle Staaten der Region müssten die territoriale Integrität anderer Länder respektieren und jede Handlung vermeiden, die den Konflikt weiter anheizen könnte. Die UNO bot zudem ihre Unterstützung bei diplomatischen Bemühungen an.
Auch die äthiopische Regierung hat den UN-Sicherheitsrat eingeschaltet. In einem Schreiben warf Außenminister Gedion Timothewos Eritrea vor, Soldaten nach Äthiopien entsandt und bewaffnete Gruppen unterstützt zu haben. Addis Abeba berief sich auf das Recht auf Selbstverteidigung. Eritrea wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte seinerseits Äthiopien, einen Angriffskrieg vorbereiten zu wollen.
Ein alter Konflikt flammt wieder auf
Die Spannungen haben eine lange Vorgeschichte. Eritrea gehörte früher zu Äthiopien, erklärte sich 1993 jedoch für unabhängig. Nach einem blutigen Grenzkrieg schlossen die beiden Länder erst 2018 Frieden. Für seine Annäherung an Eritrea erhielt Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed 2019 den Friedensnobelpreis.
Von 2020 bis 2022 kämpften Äthiopien und Eritrea gemeinsam gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Die Bewegung hatte die äthiopische Politik jahrzehntelang maßgeblich geprägt. Der Bürgerkrieg in Tigray endete 2022 mit einem Friedensabkommen. Schätzungen zufolge kamen dabei Hunderttausende Menschen ums Leben.
Doch der Frieden blieb brüchig. Ende September flammten die Kämpfe in der Region erneut auf. Die jüngsten Berichte über eritreische Truppen auf äthiopischem Gebiet verschärfen nun die Sorge vor einer weiteren Eskalation.
Streit um Zugang zum Roten Meer
Zusätzliche Brisanz erhält der Konflikt durch Äthiopiens Wunsch nach einem eigenen Zugang zum Meer. Seit Eritreas Unabhängigkeit ist Äthiopien ein Binnenstaat. Regierungschef Abiy Ahmed betonte wiederholt, sein Land brauche langfristig Zugang zum Roten Meer, um Handel und Wirtschaft auszubauen.
Eritrea sieht in diesen Bestrebungen eine Bedrohung seiner Souveränität. Äthiopien wirft dem Nachbarland wiederum vor, die Rebellen in Tigray zu unterstützen. Beide Seiten weisen die Vorwürfe der jeweils anderen zurück.
Droht ein neuer Krieg am Horn von Afrika?
Ob die gemeldeten Truppenbewegungen den Beginn einer größeren militärischen Eskalation markieren, ist weiterhin unklar. Die gegenseitigen Anschuldigungen und die erneuten Kämpfe haben die Beziehungen zwischen den beiden Staaten jedoch weiter verschlechtert.
Die UNO warnt vor den Folgen für die gesamte Region und drängt auf eine diplomatische Lösung. Nach dem verheerenden Bürgerkrieg in Tigray könnte ein neuer Krieg die ohnehin angespannte Sicherheitslage am Horn von Afrika weiter verschärfen.
Wichtig für die Veröffentlichung: Die UNO fordert derzeit nachweislich ein Ende der Kämpfe und eine Rückkehr zum Dialog. Eine konkrete militärische Intervention der Vereinten Nationen wurde in den gefundenen Berichten nicht angekündigt. Die Formulierung "UNO schaltet sich ein" ist daher präziser als "UNO-Intervention gefordert".
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