Wiener Neustadt. Großer Arbeitsmarktgipfel bei der Triumph International AG: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Arbeitsmarkt-Landesrat Susanne Rosenkranz (FPÖ) luden am Mittwoch zu "Wirtschaft und Arbeit im Dialog". Mit am Tisch saßen Vertreter von AMS, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Sozialministeriumsservice.
Im Mittelpunkt stand eine Frage: Welche Kompetenzen brauchen Arbeitnehmer in den kommenden Jahren, damit Arbeitssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gesichert bleiben? Als Antwort präsentierten die Gastgeber den neu aufgerollten NÖ Kompetenzatlas, die zentrale Überblicksplattform zur Kompetenzorientierung im Bundesland.
Kein Entweder-oder
Mikl-Leitner zieht eine klare Linie: "Bei uns in Niederösterreich heißt es nicht: Mensch oder Maschine. Sondern: Mensch und Maschine." Man wolle die Chancen der Digitalisierung nutzen und zugleich den Menschen in den Mittelpunkt stellen. "Denn die Technologie allein macht noch keinen erfolgreichen Wirtschaftsstandort." Es braucht Menschen, die ihr Handwerk verstehen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, Neues zu lernen.
Der Kompetenzatlas soll dabei den Überblick über alle Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote liefern. Das Ziel formuliert die Landeshauptfrau so: "Unser Ziel ist, dass die Menschen die Angebote finden, die sie brauchen, um ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern."
Land der Meister
FPÖ-Landesrat Susanne Rosenkranz betont, dass die Zusammenarbeit von Land und Partnern unverzichtbar ist. In der digitalen Welt droht schnell Überforderung. "Wir müssen gemeinsam mit unseren Partnern Klarheit darüber schaffen, welche Qualifikationen Arbeitnehmer künftig brauchen", sagt sie. Gleichzeitig müssen heimische Betriebe früh eingebunden werden, damit Aus- und Weiterbildung zu ihrem Bedarf passen. Auch junge Menschen sollen früh erfahren, welche Chancen eine Lehre bietet.
Arbeitsmarkt-Landesrat Rosenkranz sagt weiters: "Ein starker Arbeitsmarkt entsteht nicht von selbst. Wir müssen die Fähigkeiten unserer Arbeitskräfte gezielt fördern, Weiterbildung vorantreiben und die Angebote gemeinsam mit Arbeitnehmern und Unternehmern konsequent am tatsächlichen Bedarf ausrichten." Gleichzeitig braucht es eine starke Wirtschaft, mit verlässlichen Rahmenbedingungen, leistbarer Energie und Planungssicherheit. "Hier ist die Bundesregierung gefordert, endlich die notwendigen Maßnahmen zu setzen, damit unsere heimischen Betriebe langfristig Arbeitsplätze sichern und neue schaffen können."
"Bei allen Chancen der künstlichen Intelligenz dürfen wir eines nicht vergessen: KI wird kein Dach decken, keine Heizung installieren und auch kein Haus bauen. Dafür brauchen wir Menschen, die ihr Handwerk verstehen. Handwerk hat goldenen Boden und Niederösterreich war immer schon ein Land der Meister, nicht nur der Master", so Rosenkranz.
Und dann folgt der Satz mit Kampfansage: "Niederösterreich ist und war schon immer ein Land der Meister und nicht nur der Master. Darauf sind wir stolz und das wollen wir erhalten."
So funktioniert der Atlas
Der NÖ Kompetenzatlas setzt dort an, wo tatsächlich Bedarf besteht. Wer sich beruflich weiterentwickeln oder neue Qualifikationen erwerben will, bekommt dort einen raschen und unkomplizierten Überblick über die Angebote in seinem Bereich. Die Plattform ist keine starre Einrichtung: Sie wird laufend weiterentwickelt und aktualisiert, damit neue Angebote zeitnah aufgenommen werden.
Rückendeckung kommt von AK-Niederösterreich-Präsident und ÖGB-Vorsitzendem Markus Wieser. Er hält es für "sinnvoll und unterstützenswert", dass "sämtliche Angebote aller Player in Niederösterreich" im Atlas kompakt und übersichtlich zusammenlaufen. Die AK selbst steuert Fort- und Weiterbildung, Berufsorientierung und Bildungsberatung bei.
KI schon in der Lehre
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker fordert, junge Menschen früh für Berufe zu begeistern. Künstliche Intelligenz muss laut ihm schon in der Lehrausbildung Platz haben, die Lehrinhalte werden dafür laufend angepasst. Das WIFI bietet bereits KI-Kurse an, ein neuer KI-gestützter WIFI-Service ist geplant. Er soll vorhandene Fähigkeiten, passende Bildungsangebote und den Fachkräftebedarf zusammenbringen. Für kleinere Betriebe ist der Atlas laut Ecker eine große Hilfe: "Der Kompetenzatlas kann gerade kleineren Betrieben helfen, rasch die richtige Qualifizierung und Unterstützung zu finden."
Barbara Ascher, Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung Niederösterreich, setzt bei den Grundlagen an: "Lesen, Schreiben und Rechnen bleiben das unverzichtbare Fundament." Doch Digitalisierung und KI verändern die Anforderungen grundlegend. Die Industrie braucht Menschen, die technologische Entwicklungen verstehen und eigenständig Lösungen erarbeiten. Deshalb muss laut Ascher schon in der Schule das Fundament gelegt werden. Bildungssystem, Politik und Wirtschaft sollen dabei an einem Strang ziehen.
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Der Mensch entscheidet
AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern sieht den demografischen Wandel als langfristige Herausforderung. Deshalb müssen alle Potenziale genutzt werden, von der stärkeren Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren bis zur KI. Im AMS hilft sie, Kompetenzen und Jobchancen schneller und treffsicherer zusammenzuführen. Kern stellt klar: "Sie unterstützt unsere Arbeit, ersetzt aber keine menschliche Entscheidung."
Günther Widy, Leiter des Sozialministeriumsservice Niederösterreich, verweist auf wachsende Anforderungen. Gefragt sind neben Fachwissen auch digitale und überfachliche Fähigkeiten. Damit ausgrenzungsgefährdete Jugendliche und Menschen mit Behinderung nicht den Anschluss verlieren, bietet das Netzwerk Berufliche Assistenz gezielte Hilfe, etwa mit AusbildungsFit. Sein Fazit zum Atlas: "Mit dem überarbeiteten Kompetenzatlas kann man nun noch leichter das richtige Angebot finden."
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