Ehrungen
"Perla" triumphiert beim 16. Österreichischen Filmpreis
Am Ende hat die Topfavoritin ihre Rolle bestätigt: Alexandra Makarovás Drama "Perla" ist der große Gewinner des 16. Österreichischen Filmpreises. Das Werk war mit 13 Nominierungen in den Abend gegangen und konnte davon acht in Statuetten ummünzen. Unter anderem holte sich der Film den Sieg in der Königskategorie Bester Spielfilm und sicherte Simon Schwarz den Triumph in der Sparte der Hauptdarsteller.
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Bewegt und zugleich sinnierend zeigte sich Makarová ob der Ehrung ihrer Arbeit als Regisseurin. "Ich frage mich jedes Mal: Warum tue ich mir das an? Die Antwort ist: Ich liebe Film, ich liebe Kino."
"Freue mich, auch wenn Sie es nicht sehen"
Ähnlich reserviert zeigte sich Schwarz bei der Entgegennahme seiner Ehrung als Hauptdarsteller, was an seinem Kopf liege, der anders funktioniere als jener der meisten: "Für mich ist Aufmerksamkeit negativ besetzt." Schließlich sei es eine Hybris zu glauben, dass man der Beste sei, wenn man den Preis gewänne. Aber dennoch gelte: "Ich freue mich sehr, auch wenn Sie es nicht sehen können."
Neben den beiden zentralen Kategorien sicherte sich das zwischen Ostblock und Wien der 1980er spielende Drama "Perla" schließlich auch in den Sparten Kamera, Kostüm, Maske (ex aequo mit "Welcome Home Baby"), Szenenbild, Musik und Tongestaltung den Sieg.
Goigingers "Vier minus drei" auf Platz 2
Auf Platz 2 des Abends in den Wiener HQ7-Filmstudios landete am Ende Adrian Goigingers Adaption der autobiografischen Verlustgeschichte "Vier minus drei" von Barbara Pachl-Eberhart, die durch einen Unfall einst ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder verlor. "Ich freue mich unglaublich, dass mein Leben hier so viele Menschen glücklich macht", zeigte sich die Autorin, die von Goiginger auf die Bühne geholt wurde, berührt: "Und ich weiß, mein Leben ist ein Geschenk mit zwei Seiten."
Die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte kann mit fünf Preisen nach Hause gehen - darunter die Würdigung von Goiginger als bester Regisseur und die Auszeichnung für Valerie Pachner als beste Hauptdarstellerin. Diese bedankte sich bei ihrem Team: "Alleine schafft man's - aber nicht so schön. Und nicht mit so viel Liebe und Tiefe." Neben Drehbuch und Casting holte sich auch Robert Stadlober den Sieg in der Sektion der Nebendarsteller für seine Leistung als Pachners Filmpartner.
Emotionen bei den Nebenrollen
"Nebenrolle ist schwerer als Hauptrolle" - allein wenn man an die schlechtere Bezahlung und den schlechteren Trailer am Set dächte, streute Laudator Michael Maertens dem Gewinner verbale Rosen. Stadlobers Pendant bei den Frauen wurde Elke Winkens für ihre Leistung als Mutter im Psychogramm "How to be Normal and the Oddness of the Other World" von Florian Pochlatko. Dass sie nach all den Jahren, in denen sie nicht gesehen worden sei, nun diesen Preis erhalte, verursache ihr Schnappatmung, zeigte sich Winkens sichtlich überrascht: "Mir wurde nach dem Film oft gesagt: Elke, Du hattest Mut zur Hässlichkeit. Dabei war ich nur nicht geschminkt."
Und schließlich konnte sich Olga Kosanović mit ihrer autobiografischen und humorvollen Analyse des österreichischen Einbürgerungssystems "Noch lange keine Lipizzaner" gegen die Konkurrenz bei den Dokumentarfilmen durchsetzen. Kosanović durfte somit eine jener Trophäen entgegennehmen, die einst von der jüngst verstorbenen VALIE EXPORT für den Filmpreis designt wurde. Als Ehrung der großen Künstlerin werde die Skulptur künftig den Namen Valie tragen, kündigte die Filmakademie nun an.
Insgesamt wurden am Abend 18 Preiskategorien vergeben, darunter auch jene für den publikumsstärksten Film an Gery Seidls Weihnachtskomödie "Aufputzt is'" von Claudia Jüptner-Jonstorff. Die Entscheidung in den übrigen Sparten hatten die gut 700 Mitglieder der Akademie des Österreichischen Films gefällt.
Akademiespitze mit kritischen Worten
Nach den jetzigen Bedingungen in der Filmlandschaft wäre ein Abend wie der heutige allerdings nicht mehr möglich, hatten zum Auftakt Arash T. Riahi und Verena Altenberger als Präsidentschaftsduo der Filmakademie gemahnt. "Wir dürfen nicht vergessen, dass viele der Filme, die wir heute Abend ehren, unter den Umständen der jetzigen Filmförderung nicht möglich gewesen wären", appellierte Riahi an die Umsetzung der von der Regierung in Aussicht gestellten Streamingabgabe respektive Steueranreize. In dieselbe Kerbe schlug Altenberger, die gleichsam das Motto für die gesamte Gala lieferte: "Diese Filme sind die Beute der fetten Jahre, als Österreich noch das beste Fördersystem Europas hatte."
Kulturminister Babler gratuliert
Die angesprochene politische Ebene gratulierte am Ende umgehend den Preisträgern des Abends. "Sie zeigen einmal mehr, dass der österreichische Film vielsprachig, vielstimmig und visuell facettenreich ist", machte Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) deutlich. Besonders mit den beiden Mehrfachpreisträgern "Perla" und "Vier minus drei" seien zwei Arbeiten bedacht worden, "die auf ganz unterschiedliche Weise von der Feinfühligkeit und Sensibilität des österreichischen Films zeugen und verdeutlichen, dass hohe filmische Qualität auf ein erfolgreiches Zusammenspiel aller Gewerke zurückzuführen ist".
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