Vorwürfe
Samba-Streit um FPÖ-70-Jahre-Feier
Die FPÖ feierte am Samstag ihren 70. Geburtstag mit einem großen Festakt in der Hofburg. Während die heimische Polit-Prominenz fernblieb, marschierte die vereinigte europäische Rechte auf.
Die Blauen umgaben sich mit europäischen Rechtsparteien-Freunden wie Viktor Orbán und Alice Weidel, aber vor allem ein Gast sorgte für Aufregung: Schlagersänger Roberto Blanco.
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Denn genau jener Roberto Blanco, der am Abend beim FPÖ-"Volksfest" am Stephansplatz für Stimmung sorgte, wurde von ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti zum Gegenstand eines Angriffs auf die Freiheitlichen gemacht.
"Samba sí, Arbeit no" – Marchetti zitiert Blanco
"Die FPÖ hat sich in ihrer Arbeitsmoral offenbar Anleihe bei Roberto Blancos Lied "Samba sí, Arbeit no" genommen", polterte Marchetti in einer Aussendung. "Ein treffenderes Bild für die freiheitliche Oppositionsbilanz als der Titel dieses Blanco-Liedes kann man sich nicht wünschen."
Dass die FPÖ ausgerechnet Blanco zu ihren Jahrestagsfestivitäten gebucht habe, sei "nicht ohne eine gewisse Komik". Die Kickl-Partei mache es sich lieber auf der Oppositionsbank gemütlich – "frei nach dem Prinzip "Samba sí, Arbeit no".
Marchetti weiter: "Würde es die FPÖ ernst mit ihren vielen Ankündigungen meinen, würde sie nicht nur dem Titel, sondern auch dem Rest des Liedes Beachtung schenken: Denn im Gegensatz zur FPÖ feiern die Menschen, von denen das Lied handelt, erst nach getaner Arbeit. Die FPÖ feiert stattdessen nach getaner Arbeitsverweigerung."
Kickl am Stephansplatz
FPÖ-Chef Herbert Kickl nutzte die Bühne für einen Rundumschlag gegen die EU und die "Systemparteien". Die FPÖ sei "der einzige Hoffnungsträger für Millionen Menschen in diesem Land", sagte er.
Die Demokratie sei nicht von erstarkten rechten Parteien gefährdet, sondern von den ehemaligen Großparteien, so Kickl. Diese würden "ein immer größeres Misstrauen gegen das eigene Volk hegen". Der Staat müsse den Menschen dienen, nicht ihr "Vormund oder steuerlicher Ausbeuter" sein.
Marchetti: "Taten sprechen mehr als Worte"
Marchetti ließ die Kritik an der FPÖ auch nach der Feier nicht abreißen: "Herbert Kickl hat mit seiner Weigerung, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen, gezeigt, dass er wesentlich lieber über politische Arbeit redet, als sie tatsächlich in Regierungsverantwortung zu verrichten."
Grüne und Rote dreschen auf Kickl ein
Die großen Feierlichkeiten der FPÖ zu ihrem 70. Geburtstag haben am Tag danach scharfe Kritik von SPÖ und Grünen zur Folge gehabt. SP-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim meinte, während Parteichef Herbert Kickl sich selbst und die FPÖ als "wahren Verfassungsschutz" inszeniere, feiere er gemeinsam mit Europas Rechtsaußen-Parteien wie der AfD rund um Alice Weidel und Tino Chrupalla oder Viktor Orbán.
Grünen-Chefin Leonore Gewessler hielt Kickl - wie Seltenheim in einer Aussendung - vor, dass dieser die Grundfesten der liberalen Demokratie einreißen wolle. Dazu passe, dass er sich u.a. von Orbán und Geert Wilders beklatschen lasse, die offen demokratische Institutionen angriffen und europäische Zusammenarbeit torpedierten.
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