Lombardei-Rundfahrt

Seixas feiert historischen Premieren-Sieg nach Protest

Ein Radrennfahrer jubelt im Ziel, umgeben von jubelnden Zuschauern und Absperrungen.
© APA/AFP/MARCO BERTORELLO
Jungstar Paul Seixas hat sein erstes Rad-Monument gewonnen. Der 20-jährige Franzose setzte sich bei der Lombardei-Rundfahrt, die mit einem großen Fahrer-Protest begann, vor Vuelta-Sieger Enric Mas durch
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Der französische Senkrechtstarter Paul Seixas hat sich am Samstag bei der traditionsreichen Lombardei-Rundfahrt seinen bislang größten Karriereerfolg gesichert. Nach einer beherzten Solo-Attacke triumphierte der Decathlon-Profi in Como und kürte sich zum jüngsten Sieger in der Geschichte des ehrwürdigen Herbstklassikers.

Die Entscheidung beim letzten Radsport-Monument des Jahres fiel genau 18 Kilometer vor dem Zielstrich. Am steilen Anstieg des Civiglio trat Seixas energisch an, schüttelte seine namhaften Konkurrenten entschlossen ab und zog auf den verbleibenden Kilometern unaufhaltsam davon. Nach einer Gesamtdistanz von 239 Kilometern zwischen dem Startort Bergamo und der Zielankunft in Como stoppte die Uhr für den Solisten bei einer Siegerzeit von 5:49:28 Stunden. Hinter dem entfesselten Franzosen ging es im Verfolgerfeld um die weiteren Podestplätze: Vuelta-Sieger Enric Mas vom Team Movistar sicherte sich mit einem Rückstand von 48 Sekunden Rang zwei, während der Italiener Giulio Ciccone (Lidl) mit 1:05 Minuten Rückstand als Dritter auf das Treppchen kletterte. Topfavorit Remco Evenepoel verpasste das Podest als Vierter knapp.

Solo-Coup am Civiglio und perfekte Saisonbilanz

Für Seixas, der im Team Decathlon an der Seite der österreichischen Spitzenfahrer Felix Gall und Gregor Mühlberger in die Pedale tritt, markiert dieser Triumph bereits den achten Saisonsieg. Das Ausnahmetalent untermauert damit seinen herausragenden Status in der Weltspitze: Zuvor hatte der Franzose bereits bei seiner ersten Tour de France mit dem vierten Gesamtrang für Aufsehen gesorgt, gewann renommierte Eintagesrennen und Etappenfahrten wie den Fleche Wallonne sowie die Baskenland-Rundfahrt und eroberte zudem WM-Bronze im Einzelzeitfahren.

Begünstigt wurde der packende Kampf um die Monument-Krone auch durch die Abwesenheit des absoluten Top-Stars Tadej Pogacar. Der slowenische Ausnahmekönner, der die Lombardei-Rundfahrt zuletzt fünfmal in Serie für sich entschieden hatte, musste seine Saison vorzeitig beenden. Ein bei der Vuelta erlittener Schlüsselbeinbruch zwang Pogacar zur Rennpause und machte den Weg frei für eine historische Premiere am Ufer des Comer Sees.

Peloton protestiert vor dem Start

Überschattet wurde das sportliche Spektakel im Vorfeld von deutlichen Misstönen im Fahrerlager. Vor dem offiziellen Start in Bergamo rollte das Feld zunächst nicht los: Die Profis verharrten in einem fünfminütigen Protest, um gegen gravierende Sicherheitsmängel der vergangenen Wochen zu demonstrieren. Als Sprecher des gesamten Pelotons trat dabei Remco Evenepoel auf.

Hintergrund der Aktion waren alarmierende Vorfälle bei jüngsten Rennen. Adam Hansen, Vertreter der Fahrervereinigung CPA, fand via Statement deutliche Worte: "Allein in dieser Woche gab es mehrere Vorfälle, bei denen Fahrzeuge auf die Rennstrecke gerieten. Zwei Fahrer stürzten nach einer Kollision mit einem Motorrad, das auf der Strecke entgegen der Fahrtrichtung unterwegs war." Hansen verwies zudem auf eine fatale Tragödie: "Tragischerweise kam in diesem Sommer ein Mensch durch genau diese Art von Nachlässigkeit ums Leben (Anm.: Finlay Tarling). Wir werden das nicht länger hinnehmen."

Dank der Familie Tarling und Forderungen an die UCI

Auch die Hinterbliebenen meldeten sich anlässlich der Protestaktion zu Wort. Michael Tarling, der Vater des verstorbenen Finlay Tarling, bedankte sich öffentlich für die geschlossene Haltung der Fahrer. Auf der Plattform X (vormals Twitter) fand er emotionale Worte und forderte Konsequenzen vom Weltverband: „Es müssen Veränderungen her, und keine andere Familie sollte je den Anruf erhalten, den wir am 14. August bekommen haben. Wir hoffen aufrichtig, dass die UCI (Weltverband) zuhört und Veränderungen umgesetzt werden

Mit seinem Eintrag in die Geschichtsbücher als jüngster Lombardei-Sieger aller Zeiten krönt Seixas ein turbulentes Radsport-Wochenende, das sportliche Höchstleistungen und ernste Debatten um das Fahrer-Wohlergehen vereinte.

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