Wal-Drama
Timmy wird jetzt zu Biodiesel
Wochenlang verfolgten Tausende Menschen das Schicksal des Buckelwals Timmy. Der junge Meeressäuger hatte sich im Frühjahr in die flachen Gewässer der Ostsee verirrt und sorgte mit seinem ungewöhnlichen Aufenthalt vor der deutschen Küste für großes öffentliches Interesse. Nach einer aufwendigen Rettungsaktion wurde das geschwächte Tier wieder in Richtung offenes Meer geleitet. Doch die Hoffnung auf ein Happy End erfüllte sich nicht: Wenige Tage später wurde Timmy tot an der dänischen Küste entdeckt.
Nach Angaben der dänischen Behörden und verschiedener Medien wurde der Kadaver inzwischen an das Unternehmen Daka Denmark übergeben, das auf die Verwertung tierischer Überreste spezialisiert ist. In einer Anlage in Randers werden die Überreste des Wals verarbeitet. Das Unternehmen teilte mit, dass der Körper dabei in verschiedene Bestandteile getrennt wird. Das enthaltene Wasser wird gereinigt und anschließend in den Randers Fjord geleitet. Das Fett des Tieres, insbesondere aus der Speckschicht, wird zu Biodiesel weiterverarbeitet. Die verbleibende Biomasse wird zu einem mehlähnlichen Produkt verarbeitet, das unter anderem als Brennstoff in industriellen Anlagen, etwa in Zementwerken, genutzt werden kann.
Knochen ins Museum
Ganz verschwindet Timmy jedoch nicht. Einige Knochen des Buckelwals sollen für wissenschaftliche Zwecke erhalten bleiben. Sie werden nach Angaben dänischer Medien in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen aufgenommen und stehen dort künftig für Forschung und Dokumentation zur Verfügung.
Der junge Buckelwal war im Frühjahr mehrfach in der Ostsee gesichtet worden. Experten gehen davon aus, dass er sich auf seiner Wanderung verirrt hatte. Buckelwale leben normalerweise im Nordatlantik und gelangen nur selten in die vergleichsweise flache und enge Ostsee. Meeressäuger-Forscher hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass die Nahrungssituation und die Orientierungsmöglichkeiten für große Wale in der Ostsee problematisch sein können.
Im Rahmen der Rettungsbemühungen hatte eine Naturschutzinitiative einen Satellitentracker an Timmy angebracht. Dieser sollte wichtige Daten über die Bewegungen des Tieres liefern. Wie das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern inzwischen bestätigte, wurden die aufgezeichneten Daten gesichert. Die vollständige Auswertung läuft derzeit noch. Nach Angaben des Ministeriums sollen die Erkenntnisse möglichst zeitnah veröffentlicht werden. Wissenschafter erhoffen sich davon wichtige Hinweise auf die Wanderbewegungen des Wals sowie mögliche Ursachen für seinen schlechten Gesundheitszustand.
Die genaue Todesursache Timmys wird weiterhin untersucht. Experten hatten bereits nach seiner Rettung darauf hingewiesen, dass der Wal deutlich geschwächt wirkte. Die Ergebnisse der Untersuchungen könnten helfen, ähnliche Fälle künftig besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen für Meeressäuger in Nord- und Ostsee weiterzuentwickeln.
Für viele Menschen bleibt Timmy dennoch vor allem ein Symbol für die Faszination, aber auch die Verletzlichkeit dieser beeindruckenden Meeressäuger. Sein Schicksal hat weit über Deutschland hinaus Anteilnahme ausgelöst und erneut die Aufmerksamkeit auf den Schutz von Walen in europäischen Gewässern gelenkt.
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