Tote und Verletzte
Ukraine-Drohnen treffen russisches Wohnhaus
In der südlich von Moskau gelegenen Region Tula teilte Gouverneur Dmitri Miljajew mit, dass Trümmer einer abgeschossenen Drohne auf das Gelände einer Chemiefabrik in Nowomoskowsk gefallen seien. In sozialen Netzwerken gab es Berichte und nicht überprüfbare Videos von einem Brand. Demnach wurde der für die Kriegswirtschaft wichtige Betrieb Asot getroffen.
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Asot ist eines der größten Chemiewerke Russlands, das vor allem Dünger, aber auch Bestandteile für die Produktion von Munition in Rüstungsbetrieben herstellt. Der Gouverneur machte zunächst keine Angaben zum Ausmaß der Schäden oder möglichen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung. In Orjol - rund 350 Kilometer westlich von Moskau - schlug eine Drohne in einem Hochhaus ein, wie Gouverneur Andrej Klytschkow mitteilte. Ein Mensch sei getötet worden bei dem gezielten Angriff; es gebe auch acht Verletzte. Der Beamte veröffentlichte auch Fotos von den Schäden.
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Im Gebiet Jaroslawl sprach Gouverneur Michail Jewrajew von einem Drohnenangriff auf Industrieobjekte für die Lagerung von Kraftstoffen. Es sei zu einem Brand gekommen. Verletzte gebe es nicht, teilte der Beamte mit. Der ukrainische Geheimdienst SBU teilte später mit, dass mehrere Drohnen in das als Staatsreserve genutzte Lager in Rybinsk eingeschlagen seien.
Russische Staatsreserve getroffen - Flugverkehr eingeschränkt
Die dort gelagerten Kraftstoffe, darunter Benzin und Diesel, würden auch für die Versorgung der russischen Armee genutzt - und seien deshalb legitime Ziele, teilte der SBU mit. Auf einem vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Video sind ein Großbrand mit schwarzen Rauchwolken und fliegenden Drohnen zu sehen.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von insgesamt 249 Flugobjekten in verschiedenen Regionen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, es seien mehrere Drohnenangriffe abgewehrt worden. Der Flughafen Schukowski musste laut Behörden wegen Luftalarms geschlossen werden. Einschränkungen gab es demnach auch am Hauptstadtflughafen Domodedowo.
Der ukrainische Präsident Selenskyj lobte den Geheimdienst für die Treffer. Rybinsk liege 700 Kilometer von der ukrainischen Staatsgrenze entfernt. Insgesamt hätten die Angriffe Kiews in 28 Regionen Luftalarm ausgelöst; an sechs Flughäfen haben es Einschränkungen im Flugverkehr gegeben, teilte der Staatschef bei Telegram mit.
Selenskyj: Krieg kehrt nach Russland zurück
Es handle sich um eine Antwort auf die Weigerung Russlands, den Krieg zu beenden. "Wir haben der russischen Führung alle möglichen Formate für Verhandlungen angeboten, und die Antwort waren nur eine Fortsetzung der Aggression und Versuche, sie auszuweiten. Logischerweise kehrt der Krieg nun dorthin zurück, woher er gekommen ist", schrieb er.
Die Ukraine verteidigt sich in dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg mit Gegenattacken auf die Industrieanlagen des Nachbarlandes. Diese vor allem mit Drohnen ausgeführten und inzwischen zunehmenden Attacken treffen immer wieder auch Industrieanlagen, die für die russische Kriegswirtschaft wichtig sind.
Die Schäden sind bisweilen massiv und wirken sich inzwischen auch auf die Versorgung mit Kraftstoffen aus. Berichte über Benzin-Engpässe an Tankstellen gibt es inzwischen sogar aus dem weit von der Ukraine entfernten Tatarstan, aber auch aus Moskau und St. Petersburg. Besonders schwierig ist die Lage auf der von Russland schon 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Die russische Regierung betont, dass die Lage unter Kontrolle sei.
Moskau: Russische Truppen rücken in Kostjantyniwka vor
Die russischen Truppen rücken indes nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau bei einem Häuserkampf in der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk immer weiter vor. Erstürmungstrupps hätten erneut mehr als 100 Gebäude der Stadt unter russische Kontrolle gebracht, teilte das Ministerium in Moskau mit. Im Südwesten der Stadt seien eingeschlossene Einheiten der ukrainischen Streitkräfte vernichtet worden. Das ukrainische Militär hatte zuletzt eine schwierige Lage in der Stadt eingeräumt.
Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington stellte in einer Analyse fest, dass sich die ukrainischen Fähigkeiten einer Verteidigung von Kostjantyniwka verschlechterten. Zugleich meinten die Experten, dass Moskau mit seinen detailreichen Angaben versuche, einen größeren Eindruck der russischen Präsenz zu erzeugen - als tatsächlich vorhanden.
Die Führung in Kiew sprach zuletzt vor allem international davon, den russischen Vormarsch aufgehalten und Gebiete zurückerobert zu haben. Doch selbst ukrainische Karten zeigen ein Vorrücken russischer Truppen in der stark zerstörten Industriestadt, wenn auch langsamer als noch in den Wintermonaten.
Kommt Putin seinem Ziel einer Donbass-Besetzung näher?
Unabhängige Militärbeobachter halten es für möglich, dass Kostjantyniwka in den Sommermonaten fallen könnte. Kremlchef Wladimir Putin käme dann seinem Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen. Von den größeren Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
Das russische Verteidigungsministerium behauptete, dass die Ukraine angesichts des Vorrückens der Moskauer Truppen in Kostjantyniwka bereits wichtige Betriebe in den nahe gelegenen Städten Kamatorsk und Druschkiwka evakuiere. Die komplette Kontrolle des Gebiets Donezk hat Putin als ein wichtiges Kriegsziel und als Voraussetzung für Verhandlungen über einen Waffenstillstand genannt. Der russische Präsident führt seit mehr als vier Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.
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