Wahl-Showdown
Ulrich Siegmund: Er will mit der AfD an die Macht
Ob auf einem AfD-"Bürgerdialog" oder bei einer Ausfahrt mit einem Simson-Motorrad - Siegmund schießt unermüdlich Selfies, schüttelt Hände und bringt Tassen und Shirts mit seinem Konterfei unters Volk.
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Der studierte Wirtschaftspsychologe, der früher Raumdüfte vertrieb, wird live gefeiert wie ein Popstar. Auf seinen Kanälen in den sozialen Medien, die er nahezu täglich bespielt, folgen ihm Hunderttausende. Für die wahlkämpfende AfD ist Siegmund ein Glücksfall - er präsentiert sich als das freundliche Gesicht der in Teilen rechtsextremistischen und von vielen Wütenden geprägten Partei. Doch auch Siegmund hat einen radikalen Kern.
Als sich AfD-Politiker, Neonazis und Unternehmer im November 2023 laut Medienberichten in Potsdam trafen, wo der österreichische rechtsextreme Aktivist Martin Sellner sein "Remigrationskonzept" zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vorstellte, war Siegmund dabei. Er verlor daraufhin einen Ausschussvorsitz im Landtag. Heute spielt der AfD-Politiker das Treffen als "Potsdamer Kaffeekränzchen" herunter.
AfD in Sachsen-Anhalt Teil der "Neuen Rechten"
Der Verfassungsschutz ordnet die AfD in Sachsen-Anhalt der sogenannten Neuen Rechten zu. "Ihre Funktions- und Mandatsträger unterhalten aber Verbindungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum", heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht.
Geboren am 25. Oktober 1990 in Havelberg im Kreis Stendal, wuchs der römisch-katholisch geprägte Siegmund in Tangermünde auf. Nach der Schule machte er eine kaufmännische Ausbildung im Groß- und Außenhandel, ab 2013 studierte er drei Jahre lang Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft. Nach einem Zwischenstopp in einer Augenklinik machte sich Siegmund 2014 in Berlin mit einer Firma für professionelles Duftmarketing selbstständig. Erst in diesem Jahr zog er sich aus dem Unternehmen zurück.
Von der CDU zur AfD
Politisch führte Siegmund sein Weg ab 2008 zunächst in die CDU, von der er sich aber im Zuge der Eurokrise wieder abwandte. 2014 schloss er sich der erst ein Jahr zuvor gegründeten AfD an, die mit den Jahren immer mehr nach rechts driftete. Siegmund machte schnell politische Karriere.
Über die AfD-Landesliste zog der Vater einer Tochter im März 2016 in den Magdeburger Landtag ein und stieg bereits zwei Jahre später zum Fraktionsvizechef auf. Nach der Wahl 2021, bei der die AfD erneut zweitstärkste Kraft wurde, avancierte Siegmund zum Kofraktionschef. Seine AfD-Karriere gipfelte zuletzt in der Wahl zum Spitzenkandidaten, bei der er mehr als 97 Prozent der Stimmen erhielt.
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