Verrückte Vision

Unterwasser-Tunnel soll Kroatien und Italien verbinden

Autos fahren durch einen modernen Glastunnel unter Wasser mit Blick auf das Meer.
© Instagram
Ein KI-Video über einen 130 Kilometer langen Unterwassertunnel von Kroatien nach Italien sorgt im Netz für Furore.
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Eine KI-Vision auf der Instagram-Seite "Tectorae" zeigt einen 130 Kilometer langen Unterwassertunnel, der Ancona in Italien direkt mit der kroatischen Küstenstadt Split verbinden soll. Das Netz ist begeistert von der Idee, im Auto unter der Adria durchzufahren, statt die Fähre oder den langen Landweg über Slowenien zu nehmen. Das Video ist klar als KI-Erzeugung gekennzeichnet. Konkrete Baupläne gibt es derzeit weder von italienischer noch von kroatischer Seite, ein solches Projekt wäre weltweit einmalig.

Visionen aus der Vergangenheit

Völlig aus der Luft gegriffen ist der Einfall jedoch nicht. Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es Pläne des Splitter Bauingenieurs Boženko Jelić, die Inseln bei Zadar über Unterwassertunnel mit dem Festland zu verbinden, wozu teils Machbarkeitsstudien vorlagen. Gemeinsam mit dem italienischen Architekten Giorgio De Romanis soll er auch Pläne für eine Verbindung zwischen Ancona und Zadar verfolgt haben. Konkret wurde davon allerdings nichts. In den Kommentaren des KI-Videos wird zudem angemerkt, dass 130 Kilometer Tunnellänge zwischen Split und Ancona unberechnet sind, da die Luftlinie 236 Kilometer beträgt. Selbst ab Zadar wären es noch 147 Kilometer. Das neueste Video der Ersteller greift eine Route über die Straße von Otranto zwischen Albanien und Italien auf, wo die Meerenge rund 71 Kilometer breit ist.

Vergleich mit echten Unterwassertunneln

Real existierende Unterwassertunnel bewegen sich in anderen Dimensionen. Der 50,45 Kilometer lange Eurotunnel unter dem Ärmelkanal gilt als drittlängster Eisenbahntunnel und längster Unterwassertunnel der Welt mit 38 Kilometern Meeranteil. Japans Seikan-Tunnel ist zwar 53,85 Kilometer lang, verläuft aber nur auf 23,3 Kilometern unter dem Meer. Derzeit stellt der Ryfylke-Tunnel in Norwegen mit 14,4 Kilometern Länge und 292 Metern Tiefe den längsten und tiefsten Straßentunnel unter dem Meer dar. Voraussichtlich 2031 wird der Fehmarnbelttunnel zwischen Deutschland und Dänemark auf 18,1 Kilometern Länge unter der Ostsee fertiggestellt. Für 2033 plant Norwegen mit dem Rogfast-Tunnelsystem ein 26,7 Kilometer meeresunterquerendes Bauwerk in 392 Metern Tiefe.

Rekorde an Land und in Österreich

Abseits von Meeresunterquerungen führt der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz mit 57,1 Kilometern als längster Eisenbahntunnel der Welt durch die Alpen. Größer sind nur U-Bahntunnel wie die Linie 6 im chinesischen Chengdu mit 68,22 Kilometern. Den längsten Straßentunnel hält Norwegen mit dem 24,5 Kilometer langen Laerdalstunnel. Den Rekord als längster Felstunnel hält eine finnische Wasserleitung: Der 119,6 Kilometer lange Päijänne-Tunnel versorgt Helsinki seit 1982 mit Trinkwasser.

Auch bei uns im Land gibt es gewaltige Tunnelbauten. Der Koralmtunnel stellt mit knapp 32,89 Kilometern den längsten Eisenbahntunnel dar, während der Arlberg-Straßentunnel mit 13,97 Kilometern der längste Straßentunnel Österreichs ist.

Die Fähre bleibt alternativlos

Da der Unterwassertunnel meilenweit von der Realität entfernt ist, bleibt Ancona der zentrale Knotenpunkt für die Adria-Überquerung. An Sommerwochenenden nutzen rund 18.500 Passagiere die sechs Fährverbindungen nach Kroatien. Mit einem schnellen Katamaran bietet die kroatische Reederei Jadrolinija eine vierstündige Überfahrt zwischen Zadar und Ancona an, die in italienischen Medien als neue Brücke über das Meer bezeichnet wird.

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