Südkorea
Vom Hundefleisch zum Ziegenfleisch
In Südkorea geht eine jahrzehntealte Tradition zu Ende: Ab Februar 2027 wird die Zucht, Schlachtung und der Verkauf von Hunden für den menschlichen Verzehr verboten. Was aus europäischer Sicht wie ein überfälliger Schritt im Tierschutz wirkt, hat allerdings einen Widerspruch: Das Ende des Hundefleischs bedeutet nicht automatisch das Ende des Tierleids. Für die Hunde wird damit eine Grausame Praktik beendet, die nun aber für Ziegen weitergeht.
Noch immer sitzen Hunde auf Farmen in engen Käfigen, während Restaurants die letzten traditionellen Gerichte anbieten. Auf dem Moran-Markt in Seongnam, einst eines der Zentren des Hundefleischhandels, verschwindet die Branche zunehmend. Viele Restaurants haben bereits geschlossen oder ihr Angebot verändert.
Verlagerung des Problems
Statt Hundefleisch landen nun häufiger Ziegen im Topf. Während der Verzehr von Hunden in vielen Kulturen abgelehnt wird, gilt der Verzehr von Ziegen als üblich. Anders sehen das Tierschützer:innen. Für sie verlagert sich das Problem lediglich auf eine andere Tierart.
Die Debatte sollte deshalb nicht auf die Frage reduziert werden, welche Tiere Menschen essen dürfen. Wenn Tiere nachweislich Schmerzen empfinden und leidensfähig sind, stellt sich die Frage, warum das Töten der einen Spezies durch das Töten einer anderen ersetzt wird.
Aus Tierschutzsicht wird eine solche Ungleichbehandlung von Tieren aufgrund ihrer Spezies als Speziesismus bezeichnet (Achtung Aussprache mit i und e wie Ariel, nicht langes i). Gemeint ist damit die Bevorzugung oder Benachteiligung von Lebewesen allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Art, ohne sachlicher Rechtfertigung.
Dass jede Tierart besondere Bedürfnisse und Eigenschaften hat, steht außer Frage. Doch wenn sowohl Hunde als auch Ziegen Schmerzen empfinden, Bedürfnisse haben und ihr eigenes Leben schützen, stellt sich aus konsequenter Tierschutzperspektive die Frage, warum die eine Spezies geschützt, die andere dagegen getötet werden soll.
Die Problematik des Speziesismus zeigt sich jedoch nicht nur in Korea. Unterschiedliche Kulturen messen verschiedenen Tierarten einen unterschiedlichen Wert bei. Das kann – wie etwa bei Kühen in Teilen Indiens – religiöse Gründe haben oder historisch und kulturell gewachsen sein.
Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 23.08.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 31.08.2026, 18:30 Uhr.
Vergleicht man einen Hunde mit beispielsweise einem Schwein, kommt die Frage auf, welche sachliche Rechtfertigung es für unseren differenzierten Umgang mit der einen und der anderen Spezies gibt. Warum messen wir einem Hund mehr Wert zu, als einem Schwein? Warum dürfen Schweine getötet werden und Hunde nicht?
Der Vergleich zeigt: Bei der Intelligenz übertrifft das Schwein sogar minimal den Hund. Schweine sind kluge Lebewesen und können sogar Puzzle bauen: https://www.youtube.com/watch?v=twS_COailzk
Sie lassen sich wie Hunde trainieren und können einzelne Menschen erkennen und voneinander unterscheiden. Sie merken sich über längere Zeit, mit welchen Menschen sie gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wie Hunde, erinnern und reagieren sie auf vertraute Personen anders, als auf Fremde. Auch komplexe Lernaufgaben können sie bewältigen. In Studien wurde bereits ihr Sozialverhalten erforscht und festgestellt, dass sie mit Artgenossen kommunizieren, miteinander spielen und Bindungen aufbauen. Auch zu Menschen können Schweine eine enge soziale Bindung aufbauen und suchen dabei Körperkontakt zu ihnen. In Anbetracht dieser Tatsachen, ist für tierliebe Menschen schwer verständlich, warum die Empörung über Hundefleisch um so vieles größer ist, als über Schweinefleisch.
Das Ende des Hundefleischkonsums ist ein Fortschritt – aber nur, wenn nicht stattdessen umso mehr andere Spezies getötet werden.
Der Restaurantbesitzer Lee Kang-chun räumt selbst ein, dass die Hundefleisch-Kultur in der modernen Gesellschaft rückständig sei. Umfragen zufolge wollen mehr als 90 Prozent der Menschen künftig kein Hundefleisch essen; mehr als 80 Prozent unterstützen ein Verbot. Der gesellschaftliche Wandel ist damit längst weiter fortgeschritten als die Gesetzgebung.
Für die Betreiber der verbliebenen Restaurants bedeutet das Ende der Branche einen Einschnitt. Viele dieser Restaurants bieten inzwischen Ziegeneintopf als Ersatz an. Für die Hunde in Korea bedeutet es ein baldiges Ende einer besonders problematischen Form der Haltung und Schlachtung. Für andere Tiere startet sie hingegen erst.
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