Harte Kritik
Die „Inzucht-Partie“ am Küniglberg: Muchas scharfe Abrechnung mit dem ORF
„Wir sind nicht so“, lautete das staatstragende Diktum des Bundespräsidenten nach dem Ibiza-Skandal. Eine Selbstreinigungsklausel, die Ingrid Thurnher später auch für den ORF reklamierte. Doch für Verleger und Medienexperten Christian Mucha greift diese Selbsteinschätzung zu kurz. Seine sarkastische Replik: „Wir sind nicht so – wir sind leider noch schlimmer.“ In einer aktuellen Analyse seziert Mucha das, was er als „Inzucht-Attitüde“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bezeichnet.
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Das „Zähneziehen“ am Society-Krokodil
Mucha untermauert seine Kritik mit einer Anekdote, die tief in die Ära des ehemaligen Generaldirektors Dr. Alexander Wrabetz blickt. Als Dominic Heinzl – für Mucha „sicher einer der talentiertesten Society-Reporter Österreichs und ein wahres Krokodil“ – zum ORF stieß, deponierte der Verleger eine eindringliche Warnung beim damaligen Senderchef.
Man dürfe dem „Krokodil“ Heinzl nicht die Zähne ziehen, so lautete Muchas damaliger Rat. Die Gefahr: Man werde ihn „verbrennen“, wenn das übliche hausinterne Muster greife und ihm ständig die eigenen ORF-Kollegen als Pflicht-Themen für sein Format „Chili“ aufoktroyiert würden. Ein Teufelskreis aus Selbstreferenz und Eigenwerbung, den Mucha nun erneut bestätigt sieht.
Ein Sender badet im eigenen Sud
Das jüngste Beispiel für dieses „Baden im eigenen Sud“ lieferten für Mucha einmal mehr Stermann & Grissemann. Zu Gast war Barbara Karlich – laut Mucha zwar „authentisch, echt und durchaus witzig“, aber eben doch eine weitere Vertreterin des internen Kaders. Die rhetorische Frage des Verlegers liegt auf der Hand: Warum finden keine anderen Persönlichkeiten abseits des Küniglberger Mikrokosmos Gehör? „Es ist diese Inzucht-Attitüde des ORF, wo ORF-Stars ORF-Stars interviewen.“
„Gute Nacht Österreich“ – Ein Programmhinweis mit Symbolkraft
Besonders die Programmvorschau für die kommende Ausgabe lässt Mucha den Kopf schütteln. Wenn Peter Filzmaier und Armin Wolf erneut als prominente Gäste angekündigt werden, schließt sich für ihn der Kreis der medialen Selbstbezüglichkeit. Dass die darauffolgende Sendung ausgerechnet „Gute Nacht Österreich“ heißt, empfindet Mucha fast schon als prophetisch für den Zustand des Senders.
Es ist eine Kritik an der mangelnden Offenheit eines Gebührensenders, der – folgt man Muchas Ausführungen – verlernt hat, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.
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