"Kommen weit!"

"Bretterhart!" Experte hat ÖFB-Team auf dem Zettel

David Alaba
© APA/GEORG HOCHMUTH
Mit einer Gruppe namhafter Experten ist Pascal Zuberbühler bei der Fußball-WM in Nordamerika im Einsatz.
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Der 55-jährige Schweizer ist Leiter der Technischen Studiengruppe der FIFA, die mit Hilfe von Spieldaten-Analysten alle 104 Spiele taktisch seziert. Zuberbühler ist gespannt auf die Intensität des Pressings und das Verhalten bei Standards, ist kein Freund der Trinkpause, freut sich auf die Außenseiter und traut dem österreichischen Team "ein Riesenturnier" zu.

"Ich sehe euch weit kommen", sagte der Schweizer, der ein besonderes Auge auf das ÖFB-Team wirft, kommt seine Mutter doch aus der Steiermark. Kontinuität im Trainerteam und der Mannschaft, eine klare Spielidee und einen starken Teamgeist sieht der 51-fache Teamtorhüter der Eidgenossen als Trümpfe der rot-weiß-roten Auswahl. "Österreich hat eine gute Mannschaft, einen guten Trainer, eine gute Harmonie. Sie wissen genau, wie sie spielen wollen, es ist ein großer Vorteil, wenn Mannschaften klare Strukturen haben. Gegen solche Mannschaften will ich nicht spielen, die sind bretterhart", erklärte Zuberbühler im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Großer Druck lastet auf Messi und Co.

Gespannt ist er vor allem auf das Duell von Alaba und Co. mit dem Weltmeister am 22. Juni in Dallas. "Gegen Argentinien ist es extrem geil zu spielen, die Hütte wird voll sein", sagte Zuberbühler, der neugierig auf das Auftreten der Mannschaft um Lionel Messi ist. Er erinnerte an den missglückten WM-Start der Argentinier vor vier Jahren mit der 1:2-Niederlage gegen Saudi-Arabien. "Erst durch die Klasse von Messi, (Lautaro) Martinez und den Teamchef (Lionel Scaloni) haben sie es rumkriegen können. Der Druck ist enorm groß in Argentinien", meinte der Schweizer. Und "ihr (Österreicher) versteckt euch sicher nicht".

Die weiteren Gruppengegner Algerien und Jordanien seien gut aufgestellt und organisiert, aber "mit allem Respekt Teams, die Österreich schlagen muss. Da bist du in der Pflicht, wenn du weiterkommen willst. Aber es ist brutal schwierig, es gibt keinen Gegner, der ein Freilos ist". Jordanien ist eines der Länder, die erstmals bei einer WM dabei sind. Sehr zur Freude von Zuberbühler, der die Aufstockung auf 48 Teilnehmer "sensationell" findet. "Das macht den Fußball globaler. Ich freue mich fast mehr auf die Nationen, die erstmals dabei sind. Es wird interessant zu sehen, welche DNA sie in ihrem Game-Plan haben."

Pressing und Standards

Zwei Trends werden er und seine Fachleute genau beobachten: Pressing und Standards. Bei Vereinen seien die Pläne leichter umzusetzen, weil man täglich miteinander trainiert, im Nationalteam hat man dafür weniger Zeit. "Bei der Club-WM (2025) war das hohe Pressing interessant zu beobachten. Ich bin gespannt, wie das die Nationalteams machen, weil du brauchst jeden einzelnen Spieler, jeder muss wissen, wo er sich hinbewegt", meinte Zuberbühler. Das gelte auch für den "Trend mit Überladen im Torhüterraum", also viele Spieler, die sich bei Freistößen oder Eckbällen unmittelbar vor dem Torhüter postieren.

Überbewertet findet er das Thema Hitze, mit der man ja auch bei der WM 1994 in den USA auskommen habe müssen. "Jetzt haben wir die Trinkpausen in jeder Halbzeit. Das ist okay, aber ich finde es schade für den Fußball", sagte Zuberbühler. Die Pausen würden zu taktischen Besprechungen genutzt und so der taktische Überraschungseffekt des Gegners entschärft werden.

Zehn hochkarätige Experten

Zuberbühler ist mit Arsene Wenger, dem Chief of Global Football Development, Chef einer zehnköpfigen Gruppe aus aktuellen oder ehemaligen Trainern und ehemaligen Größen wie dem deutschen Weltmeister Jürgen Klinsmann, dem brasilianischen Weltmeister Gilberto Silva, dem argentinischen Vize-Weltmeister Pablo Zabaleta oder der zweifachen Weltmeisterin Tobin Heath aus den USA. Diese Technische Studiengruppe analysiert alle 104 Spiele, entweder live im Stadion oder von einem Stützpunkt in Miami aus. Jeweils zwei Mitglieder und ein Datenanalyst sind pro Spiel im Einsatz und mit dem Datenzentrum in Manchester verbunden.

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