Hohe Schulden

Sicherheits-Wirbel um René Benko nach Gefängnis-Aus

Ein Mann mit Bart im Profil in Anzug vor grauem Hintergrund.
© APA/EXPA/ JOHANN GRODER
Nach rund 20 Monaten hinter Gittern tauschte Signa-Gründer René Benko die U-Haft gegen elektronisch überwachten Hausarrest. Er lebt jetzt in einer Tiroler Mietwohnung.
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Der abrupte Wechsel in die eigenen vier Wände sorgt abseits der juristischen Debatte für massive Diskussionen über die persönliche Sicherheit des gefallenen Milliarden-Pleitiers René Benko (49).

Vom Gefängnis in die 60-Quadratmeter-Wohnung

Statt einer kargen Gefängniszelle bewohnt Benko nun eine angemietete, rund 60 Quadratmeter große Mietwohnung in der Innsbrucker City, nahe der Familienvilla im noblen Innsbrucker Stadtteil Hungerburg.

Geprellte Scheichs und Gläubiger: War Benko in Haft sicherer?

Damit ging eine lange Phase der fast absoluten Verwahrung zu Ende, die für Benko im Jänner 2025 mit der Verhängung der Untersuchungshaft begonnen hatte.

Während Benko den Schritt als Chance sieht, sich geordnet auf die kommenden Mammut-Verfahren vorzubereiten - der nächste startet Anfang November, unter anderem wirft ihm die WKStA die Schädigung der Familienstiftung von Strabag-Milliardär Hans Peter Haselsteiner vor - schlagen Sicherheitsexperten und Beobachter Alarm.

In der abgeschotteten Justizanstalt war der frühere Immobilien-Tycoon lückenlos geschützt. In einer normalen Wohngegend stellt sich die Lage völlig anders dar.

Hintergrund der Sicherheitsbedenken sind die astronomischen Schuldenberge, die der Zusammenbruch des Signa-Imperiums hinterlassen hat. Es geht um Forderungen in Milliardenhöhe, die von Gläubigern auf der ganzen Welt eingeklagt werden.

Unter den Geschädigten befinden sich nicht nur heimische Banken und Stiftungen, sondern auch einflussreiche arabische Staatsfonds, Scheichs aus der Golfregion, internationale Milliardäre, die hunderte Millionen Euro in Benkos Prestige-Projekte investiert hatten.

"Der hat Eier", sagt ein Innsbrucker oe24 in Bezug auf Benko und seine Schulden bei reichen Investoren. "Man kennt ihn österreichweit, ich glaube nicht, dass er sich wirklich frei in Innsbruck bewegen kann."

Unter der Woche hat Benko eine Stunde Ausgang, die er für sportliche Aktivitäten oder sonstige notwendige Erledigungen nutzen darf. Am Wochenende sind es laut Anwalt drei Stunden.

Nächster Strafprozess wartet bereits Anfang November

Benkos Star-Verteidiger Norbert Wess will keine Details über Benkos Aufenthaltsort mitteilen, es ist auch nicht bekannt, wer die 60-Quadratmeter-Wohung stellt. Die Spekulationen reichen von Sigi Wolf, der in Wien einmal eine Wohnung für Benko zur Verfügung gestellt hätte, bis zur INGBE-Stiftung, deren Begünstige Benkos Mutter ist.

Zwei Männer im Anzug sprechen sich ernsthaft in einem Gerichtssaal ab, eine Person im Hintergrund unscharf.
Anwalt Norbert Wess und Rene Benko. © APA/EXPA/ JOHANN GRODER

Anwalt Wess hatte den Antrag auf Enthaftung primär damit begründet, dass eine seriöse Vorbereitung auf die anstehenden Großverfahren hinter Gittern schlicht unmöglich gewesen sei. Zudem verwies die Verteidigung auf das vorbildliche Wohlverhalten des Mandanten und die für Wirtschaftsverfahren außergewöhnlich lange Dauer der U-Haft. Bisherige Anträge am Straflandesgericht Wien waren stets abgewiesen worden, die WKStA bekämpft die Enthaftung Benkos.

Zur Ruhe kommt der einstige Multimilliardär in seinem Übergangsquartier freilich nicht. Die WKStA ermittelt mittlerweile zu 18 separaten Sachverhalten rund um den Zusammenbruch des Firmennetzwerks. Erst Ende September war Benko am Landesgericht Innsbruck wegen betrügerischer Krida zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden...

Am 4. und 5. November steht der nächste brisante Prozess im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Innsbruck an: Die WKStA wirft Benko vor, gegenüber dem früheren Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner und dessen Familienstiftung eine wahrheitswidrige Garantie abgegeben und die Stiftung um rund fünf Millionen Euro geschädigt zu haben.

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