Prozess-Auftakt

Swift-Attentäter Beran A. heute vor Gericht: "Ich bekenne mich teilweise schuldig"

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Heute, Dienstag, beginnt am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um einen mutmaßlich verhinderten Terror-Anschlag auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Heute, Dienstag, beginnt am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um einen mutmaßlich verhinderten Terror-Anschlag auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
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Mit Hochspannung wurde auf den Prozess-Auftakt gegen den 21-jährigen Beran A. gewartet, welcher sich teilweise schuldig bekennen will. 11 Anklagepunkte stehen im Raum. Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, mit seinem Mitangeklagten Arda K. und den in Saudi Arabien inhaftierten Hasan E. mehrere Anschläge geplant zu haben und eine aktive IS-Zelle zu führen. Bis zu 20 Jahre Haft drohen Beran A.

Prozess Beran A.
© APA/ROLAND SCHLAGER

Beran A. kam in einem kräftig blauen Hemd und Handfesseln, umringt von Justizwachebeamten in den Gerichtssaal. Arda K. kam im hellblauen Hemd. Schon anfänglich gab es Probleme, der Prozess musste für eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil der Bildschirm im Saal sich nicht anschalten ließ. Die beiden Angeklagten wurden für 30 Minuten wieder aus dem Saal geführt.

Nach Pause werden Angeklagten wieder in den Saal geführt

Nach der kurzen Pause wurde die Verhandlung weitergeführt und der Staatsanwalt kam zu Wort. In einer Liste - erstellt von Beran A.-, die vor Gericht eingeblendet wurde, waren sieben Orte notiert. Ein Eintrag lautet "Konzert Taylor Freitag". Vorwurf der Anklage gegenüber Beran A.: Die Planung und Vorbereitung eines Terroranschlags im Namen des IS gegen das Wiener Tylor-Swift-Konzert sowie die Herstellung von Sprengstoff, Beschaffung von Bombenbau-Videos und der Versuch des Waffenkaufs.

Bei einer Hausdurchsuchung des Grundstücks in Ternitz wurde schließlich der Sprengstoff TATP entdeckt. In seinen Mitteilungen habe Beran A. von einer chirurgischen Operation oder Märtyreroperation gesprochen, die er durchführen wolle.

Laut dem Staatsanwalt sei die Beweislast erdrückend. Unzählige Videos würden die Vorwürfe beweisen.

Die Strafverteidigerin Anna Mair, die Beran A. vertritt, erklärte vor Gericht, dass der Junge mit nordmazedonischen Wurzeln in seiner HAK in Wien gemobbt worden sei. In dieser schwierigen Zeit lernte er Hasan E. kennen, der ihn stärkte. Laut der Anwältin soll die Radikalisierung aber erst später, als er nach Ternitz gezogen war, stattgefunden haben. Die Beziehung der beiden sei toxisch gewesen.

Auch der Zweitangeklagte sei an der gleichen Schule gewesen, hätte aber Beran vorerst nur flüchtig gekannt. Erst durch Hasan E. hätten die beiden zusammengefunden.

Beran A. sei gegen das Töten von Ungläubigen oder anderen Menschen gewesen.

Beran A. kommt zu Wort

Nach der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern, kam schließlich Beran A. selbst zu Wort. Sein mutmaßlicher Komplize Arda K. wird während der Befragung aus dem Gerichtssaal geführt. "Ich bekenne mich teilweise schuldig", so der 21-Jährige. Es sei nach Dubai gereist, um dort einen Anschlag zu verüben. Aber auch die Anschlagspläne zum Taylor-Swift-Konzert gibt er vor Gericht zu.

Er sei in Wien geboren, hätte lange im 10. Bezirk gewohnt. Im Jahre 2020 sei die Familie schließlich nach Ternitz wegen der Arbeit seines Vaters gezogen. Arda habe er in de Mittelschule kennengelernt, aber nicht gut. Hasan E. in der HAK in Favoriten, die er aber nur ein Jahr besucht hatte. Danach habe er in die HASCH in Neunkirchen gewechselt. Weil Beran A. faul gewesen sein soll, musste er dort wiederholen.

Nach seinem Abschluss hätte er in der Firma seines Vaters als Bürokaufmann-Lehrling begonnen. Diese hätte er aber wieder abgebrochen. Besonders schockierend: Beran A. zeigte vor Gericht eine gewisse Bewunderung für den Wien-Attentäter, weil dieser mit seinen Taten weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Dieser hatte am 2. November 2020 rund um den Schwedenplatz (Bermuda-Dreieck) vier Menschen erschossen und unzählige weitere Passanten schwer verletzt.

Prozess Beran A.
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Laut Anklage war Beran A. (21) spätestens am 21. Juli 2024 fest entschlossen, im Namen der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) am 9. August 2024 ein Attentat im voll besetzten Stadion zu verüben. Er wurde dank einer Warnung aus dem Ausland zwei Tage vor dem Termin festgenommen.

Mitangeklagt ist mit Arda K. (21) ein zweiter mutmaßlicher IS-Terrorist. Der Staatsanwalt will beweisen, dass die beiden mit dem in Saudi-Arabien inhaftierten Hasan E. eine hochgefährliche IS-Terror-Zelle gebildet und bereits Ende 2023 die Ausführung von drei Anschlägen im Namen des IS geplant hatten. Ihr gemeinsamer Tatplan sah laut Anklage vor, am 11. März 2024 getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute zu töten. Während Beran A. und Arda K. jeweils unverrichteter Dinge aus Dubai und Istanbul zurückkehrten, stach Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee in Mekka einem Sicherheitsbeamten ein Messer in den Hals und verletzte vier weitere Personen, ehe er überwältigt werden konnte. Der 21-Jährige wartet seither in einem Gefängnis in Saudi-Arabien auf den Ausgang seines von den saudischen Behörden geführten Strafverfahrens. Beran A. und Arda K. wird in Wiener Neustadt vorgeworfen, Hasan E. in seinen terroristischen Absichten bestärkt zu haben, indem sie mit ihm bis knapp vor der Bluttat in Mekka telefonischen Kontakt hielten und die Einzelheiten ihrer jeweiligen Vorhaben besprachen.

Prozess Beran
Hier steht Beran A. vor Gericht © oe24

Der auf insgesamt vier Verhandlungstage anberaumte Prozess in Wiener Neustadt findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Angekreidet wird den beiden mutmaßlichen IS-Anhängern fast die gesamte im Strafgesetzbuch (StGB) enthaltene Palette an terroristischen Straftaten, darunter versuchter Mord bzw. Beitrag zum versuchten Mord im terroristischen Kontext (§ 278 c Absatz 2 StGB) sowie Reisen für terroristische Zwecke (§ 278 g StGB). Im Fall von anklagekonformen Schuldsprüchen drohen den Angeklagten nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) bis zu 20 Jahre Haft.

Mehrere Anschlagspläne inkriminiert

Laut Anklage sah ihr gemeinsamer Tatplan vor, am 11. März 2024 getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute zu töten. Während Beran A. und Arda K. jeweils unverrichteter Dinge aus Dubai bzw. Istanbul zurückkehrten, stach Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee in Mekka - am "heiligsten Ort des Islam", wie der Staatsanwalt betonte - einem Sicherheitsbeamten ein Messer in den Hals. Ehe er überwältigt werden konnte, verletzte er vier weitere Personen.

Der 21-Jährige wartet seither in einem Gefängnis in Saudi-Arabien auf den Ausgang seines von den saudischen Behörden geführten Strafverfahrens. "Die österreichische Botschaft in Riyadh steht seit Bekanntwerden der Verhaftung mit ihm in Kontakt und leistet konsularische Unterstützung im Rahmen von Haftbesuchen", hieß es am Dienstag in einem Statement des Außenministeriums zu Hasan E. Demnach gibt es auch laufenden Austausch mit der Familie des 21-Jährigen sowie mit den saudischen Behörden. "Der Betroffene hat einen Pflichtverteidiger. Das Strafverfahren läuft noch, die Botschaft bemüht sich um regelmäßige Prozessbeobachtung. Es ist weiterhin nicht bekannt, welches Strafmaß von der Anklage gefordert wird", teilte das Außenministerium auf APA-Anfrage mit und hielt fest, dass aus Datenschutzgründen grundsätzlich keine weiteren Details kommuniziert würden.

In Wiener Neustadt wird den beiden Angeklagten vorgeworfen, Hasan E. in seiner Tat bestärkt zu haben, etwa in stundenlangen Telefonaten in den Tagen vor dem Anschlag. Beran A. habe nach seiner Rückkehr nach Österreich mehrmals gegoogelt, etwa "mekka attack" oder "istanbul-bomb", obwohl es in Saudi-Arabien keine Berichterstattung über den Vorfall gegeben habe, erläuterte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsvortrag. Das belege "eindeutiges Täterwissen", war er überzeugt. Auch der Zweitangeklagte habe sich der Beitragstäterschaft zum Anschlag in Mekka schuldig gemacht. Als nach dem mutmaßlich vereitelten Anschlag auf das Swift-Konzert in medialen Berichten von einem dritten Mann neben Beran A. und Hasan E. die Rede war, sei Arda K. sofort klar gewesen: "Ich bin Mr. X", zitierte der Staatsanwalt aus dessen Einvernahme.

Beran A. zu Swift geständig

Der Erstangeklagte bekannte sich zu einem Großteil der wider ihn erhobenen Vorwürfe schuldig. Nicht jedoch zur Unterstützung des Hasan E. bei dessen Tat. "Mit der Geschichte in Mekka" habe er nichts zu tun. Dafür gebe es keinen Beleg in den Chats zwischen ihm und Hasan E.

In seiner Einvernahme relativierte Beran A. dann jedoch seine Verantwortung. Hasan E. sei im Februar 2024 entschlossen gewesen, einen Anschlag in Mekka zu machen und habe "auch für mich eine Operation geplant, sonst bricht er den Kontakt mit mir ab". Das sei für ihn nicht in Frage gekommen: "Er war meine einzige Bezugsperson zum Jihad und zum IS."

"Ich wollte in den Jihad"

"Ich wollte unbedingt alles schnell lernen im Islam", gab Beran A. an. Auf die Frage nach dem Warum erklärte er: "Ich wollte einen Sinn. Ich wollte in den Jihad." Die Videos von Denis Cuspert - ein aus Deutschland stammender Jihadist und Terrorist, der in Syrien getötet wurde - hätten ihn "überzeugt". Die Videos von Cuspert "hatten eine Ästhetik, die mein Herz öffnete".

Hasan E. habe ihn aufgefordert, sich "ein islamisches Land auszusuchen", in dem er, Beran A., einen Anschlag machen sollte. Er habe Iran und Afghanistan vorgeschlagen, aber Hasan habe ihn auf Dubai gebracht, was ihm ursprünglich gar nicht recht gewesen sei: "Ich habe Angst, aus Europa raus zu reisen."

"Es war ein Insider-Job für uns drei"

"Es war ein Insider-Job für uns drei", hatte Beran A. in einem Abschiedsvideo an seine Familie erklärt, nachdem er sich entschlossen hatte, nach Dubai zu reisen. Von der Richterin ausdrücklich gefragt, ob Hasan und Arda zu diesem Zeitpunkt ihre Anschläge in Mekka bzw. in Istanbul "durchziehen "wollten, erwiderte der Beran A.: "Für die beiden war das fix." Er dagegen habe "ausprobieren wollen, ob ich das tatsächlich schaffen kann, so einen Anschlag."

Hasan E. habe "direkt beim Fastenbrechen des Ramadan zuschlagen wollen". Ihm sei "klar gewesen, dass ich nicht mitmachen werde, aber vielleicht geschieht ein Wunder". Beran A. bestätigte, dass sich alle drei jungen Männer in Mekka, Dubai und Istanbul Messer gekauft hätten: "Jeder Schritt, den ich getätigt habe, ist von Hasan gekommen."

Am 12. März 2024 habe er in Dubai mit zwei erworbenen Messern "einen Polizisten gesucht. In meinem Kopf sah das alles ganz einfach aus." Er habe zunächst "keinen Polizisten oder Soldaten gefunden" und sei daher einem Touristen gefolgt. Da habe er "eine Panikattacke bekommen". Er habe nicht zustechen können: "Es kommt die Empathie."

In weiterer Folge habe er mehrere Soldaten verfolgt: "Ich habe es nicht geschafft. Ich habe mir vorgestellt, dass ich auf einen Menschen mit einer Waffe einsteche." Dreieinhalb Stunden habe "das Ganze" gedauert. Er sei "schwach geworden" und habe "einen Rückzug gemacht." Er habe "ein Gefühl des Versagens empfunden. Ich habe mich wie ein Loser gefühlt", sagte Beran A. Er sei davon ausgegangen, "dass ich in die Hölle gehe", weil er nichts gemacht habe.

Fast die gesamte Palette an terroristischen Straftaten angeklagt

Angekreidet wird den angeklagten mutmaßlichen IS-Anhängern - Arda K. kommt in der heutigen Verhandlung aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr zu Wort - fast die gesamte im Strafgesetzbuch (StGB) enthaltene Palette an terroristischen Straftaten, darunter versuchter Mord bzw. Beitrag zum versuchten Mord im terroristischen Kontext (§ 278 c Absatz 2 StGB) sowie Reisen für terroristische Zwecke (§ 278 g StGB). Im Fall von anklagekonformen Schuldsprüchen drohen den Angeklagten nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) bis zu 20 Jahre Haft.

Zum gesamten Swift-Komplex, der vorerst nicht erörtert wurde, bekannte sich Beran A. eben so schuldig wie zur Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation, zum Vorwurf der gefährlichen Drohung und dem Versuch, sich illegal Waffen zu beschaffen. Auch Arda K. war zur Reise nach Istanbul und den Anschlagsabsichten sowie dazu geständig, seiner Freundin eingeredet zu haben, sich dem IS anzuschließen. Nicht jedoch dazu, Hasan E. bestärkt zu haben. Die beiden Angeklagten gaben auch an, dass ihre Reise- und Anschlagspläne untereinander nicht abgesprochen gewesen seien.

Zum Grund für Hasan E.'s Terrorbereitschaft in Mekka gab der Erstangeklagte an: "Er hatte die Vision, dass daraus Aufstände entstehen und die Unterdrückung der Moslems gestoppt wird. Am meisten ging es ihm aber darum, seinen Vater wiederzusehen." Dieser war wenige Monate zuvor nach einer schweren Krankheit verstorben. Wie Beran A. sagte, habe Hasan E. im Sinn gehabt, sich nach seinem Anschlag in Mekka festnehmen zu lassen. In weiterer Folge habe Hasan damit gerechnet, "dass er nach ein bis zwei Jahren hingerichtet wird."

Neben der Rechtsvertreterin von Beran A. betonte auch David Jodlbauer, der Verteidiger von Arda K., die führende Rolle von Hasan E. Dieser sei "der Lehrer" gewesen, sein Mandant "der Schüler. Er war ein guter Schüler, ein höriger Schüler". Arda K. sei "indoktriniert, zum Islamismus hingeführt" worden. Hasan sei von sich aus zu einem Anschlag in Mekka bereit gewesen, er habe dahingehend keine Bestärkung benötigt. Er habe seinem Mandanten erklärt: "Wenn du keinen Anschlag machst, kommst du in die Hölle und ich ins Paradies. Und wir sehen uns nie wieder". Das klinge "völlig wahnsinnig", räumte Jodlbauer ein, habe Arda K. aber dazu gebracht, "kurz vor" der Durchführung eines Anschlags zu stehen. Arda K. sei nach Istanbul geflogen, habe dort aber "zurückgezogen", sein terroristisches Vorhaben nicht umgesetzt und nach seiner Rückkehr nach Wien sein Leben bis zu seiner Festnahme im April 2025 weitergelebt.

Verteidigung betonte führende Rolle von Hasan E.

Zuvor hatte Anna Mair die Abhängigkeit von Beran A. von Hasan E. betont. Ihr Mandant habe eine "total schöne Kindheit" erlebt, in der Religion keine große Rolle spielte. Als er 2019 in eine HAK in Wien kam, sei er gemobbt worden. Mädchen hätten sich über ihn lustig gemacht. Ein Mitschüler habe sich seiner angenommen und dafür gesorgt, dass Beran A. beliebter wurde. Dieser Mitschüler war Hasan E.

"Beran sieht zu Hasan auf. Hasan ist der Macher, der für jedes Problem eine Lösung hat. Hasan ist sein Held und sein bester Freund", meinte die Verteidigerin zur Dynamik der zwei jungen Männer. Beran A. habe zu seinem Freund aufgeschaut und diesen "glorifiziert".

Nach einem einjährigen Aufenthalt in der Türkei hätte sich Hasan E. zunehmend mit dem Islam auseinandergesetzt und dem IS zugewandt. Ab dem Frühjahr 2023 habe Hasan E. ihren Mandanten "beeinflusst, manipuliert, indoktriniert". Hasan E. habe einen Anschlag in Mekka geplant. Beran A. sei nicht zur Polizei gegangen, um das zu melden ("Er will keinen Freund verraten"). Stattdessen habe er sich auf Hasans Fantasie von einer "eigenen Terror-Organisation" eingelassen.

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