Wechsel an der blauen Spitze?

Hofer gegen Kickl: Macht-Kampf in Blau

Hofer gegen Kickl: Macht-Kampf in Blau
© APA/HERBERT NEUBAUER
Die FPÖ wird von einer Doppelspitze geführt. Hinter den Kulissen wird aber längst um die Nr. 1 gekämpft.
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Norbert Hofer würde sich gern gegen Covid-19 impfen lassen, Herbert Kickl denkt nicht daran. Ein Detail, das die Kluft zwischen dem regierenden blauen FPÖ-Chef und dem freiheitlichen Klubobmann gut auf den Punkt bringt. Da der verbindlich staatstragende Hofer, der am liebsten wieder die Koalition mit der Kurz-ÖVP aufleben lassen würde, dort der fundamental-oppositionelle Kickl, der gegenüber der ÖVP eine Politik der verbrannten Erde fährt.

Aufwind. Im blauen Lager verspürt man wieder Morgenluft. Die Umfragewerte der Regierung sind im Sinkflug, die ÖVP wird von einer Reihe von Affären -von Aschbacher bis Blümel - gebeutelt. Und mit den immer wütender werdenden Corona-Leugnern hat die Partei Zugriff auf ein beachtliches Wähler- Potenzial, das die anderen Parteien nicht einmal mit der Kneifzange anfassen wollen. Viele der "Leihstimmen", die nach Ibiza zur ÖVP abgewandert sind, wären wieder abzuholen. Einerseits.

Andererseits sind viele in der FPÖ unzufrieden mit die Doppelspitze, sind der Meinung, dass Hofer kein Kapital aus der an sich günstigen Ausgangsposition schlagen kann und bevorzugen den Frontal-Oppositionskurs von Kickl. Die Zahl derer, die Hofer weghaben wollen, wächst. Ein Insider zu ÖSTER-REICH: "Die Basis, der Mittelbau der Funktionäre, aber auch viele Landesparteien drängen Hofer auf einen würdevollen Umstieg ohne Gesichtsverlust." Hofer möge sich schon jetzt voll auf die Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr konzentrieren und den Parteichef abgeben.

Schwankend. Hofer sei gesprächsbereit, schwanke aber noch. Der frühere Parteiideologe Andreas Mölzer (siehe rechts) hält eine Hofer-Kandidatur für noch nicht ausgemacht. Gegen Alexander Van der Bellen würde Hofer in keinem Fall antreten.

Zug zum Tor. Es sei aber bereits der gesamte Parlamentsklub und auch die Mehrheit der Länderchefs auf Kickls Seite. Kickl selbst hätte die Weihnachtsfeiertage genützt und bei einigen Überzeugungsarbeit geleistet. "Jetzt zeigt er den Zug zum Tor, den er bisher nicht hatte", sagt einer seiner Vertrauten.

Der Insider: "Die Landesparteien genießen es einerseits zwar, dass ihnen die Bundespartei dreinredet, andererseits haben natürlich auch sie Interesse an einer erfolgreichen Bundespartei."

Hofers einziger hundertprozentiger Verbündeter in den Ländern sei noch Oberösterreichs Manfred Haimbuchner, der im Herbst eine Landtagswahl zu bestreiten hat. Er setze weiter auf einen Konsens-Kurs mit der ÖVP.

Überraschend hat sich Herbert Kickl persönlich aus der Deckung gewagt: In einem Interview mit NEWS bezeichnete er es als "reizvolle Überlegung", die Parteispitze zu übernehmen. Allerdings erst dann, wenn Hofer seinen zweiten Versuch um die Hofburg startet.

Kompromiss? Natürlich gibt es auch blaue Bedenkenträger gegen den allzu brutalen Kickl-Kurs. Für so manchen Freiheitlichen grenzt sich Kickl zu wenig vom rechten Rand ab, seine unverhohlene Sympathie für die illegalen Teilnehmer der Corona-Demos schreckt gemäßigtere Kräfte ab. Deshalb werden im freiheitlichen Machtkampf auch immer wieder Kompromiss-Kandidaten ins Spiel gebracht. Die besten Karten dabei hätte wohl der steirische Ex-Verteidigungsminister Mario Kunasek. Der allerdings, weiß ein steirischer Insider, nicht will: "Der hat ein kleines Kind und eine Frau, die ihn nicht nach Wien lässt."

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