Wahl am Donnerstag

DAS planen die ORF-Kandidaten

© ORF (Screenshot)
Am Donnerstag steht fest, wer ab 2027 den ORF führt.
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Drei Tage zuvor sind am Montagabend die bisher für ein Hearing nominierten Bewerberinnen und Bewerber im ORF-Fernsehen aufeinander getroffen, um ihre Konzepte und Ideen der Öffentlichkeit, den ORF-Mitarbeitern und -Gremienmitgliedern vorzustellen. Große Überraschungen blieben im Zuge der Sendung "ORF-Wahl 2026: Vor der Entscheidung", die auf ORF III und auf ORF ON zu sehen war, aus. Dafür wurde unaufgeregt debattiert.

ORF III-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher, die die Moderation übernahm, stellte klar, dass sie auch dorthin fühlen wolle, "wo es weh tut". Und sie hatte die Redezeit der Gäste genau im Blick, um für Ausgewogenheit zu sorgen. Letztlich dominierte diese APA-CEO Clemens Pig, was aber auch mit vielen Fragen an ihn, der als Favorit gehandelt wird, zu tun hatte.

Er war auch der erste, der drei Minuten Zeit für eine Kurzpräsentation hatte, wobei die Reihenfolge gelost wurde. Pig betonte, dass er für eine ORF-Redaktion der "demokratischen Mitte" sorgen wolle, die aller Kritik standhalte. "Alle sollen dem ORF vertrauen", sagte er und will mit der Verankerung eines Public-Value-Prinzips in allen Entscheidungen, Handschlagsfähigkeit und Kooperationen am Medienstandort punkten.

Zierhut-Kunz gegen "politischen Verschiebebahnhof"

ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz betonte, dass der ORF kein "politischer Verschiebebahnhof" sein dürfe. Sie will für einen journalistisch starken, wirtschaftlich stabilen ORF sorgen, wo Leistung und Innovation zählen. Sie sprach sich auch für mehr Mut aus, kontroversielle Themen anzusprechen.

Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger sieht eine gegenwärtige Führungs- und Imagekrise des ORF. Der ORF müsse sich als digitaler Player positionieren, der auch 12- bis 29-Jährige erreicht. "Das ist nicht so schwer", meinte er. Das "extrem große" Interesse an regionalen Inhalten will er damit befriedigen, den ORF-Landesstudios mehr Mittel zu geben.

Der ORF habe "massiv an Rückhalt in der Bevölkerung verloren", meinte Ex-HBO-Manager Johannes Larcher. Das öffentlich-rechtliche Medienhaus werde nicht effizient und digital genug geführt. "Ich werde den ORF zukunftsfit machen", sagte er und versprach Transparenz bei Interventionen und einen Infochef, der "über allen Verdacht erhaben" sei. Regionale und junge Inhalte wolle er stärken und Einkäufe aus den USA "radikal reduzieren". ORF ON will er zu einem modernen Streamingservice ausbauen.

Totzauer steht für Respekt

ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer sagte, sie habe bewiesen, dass "unter meiner Führung freies und unabhängiges Arbeiten" möglich sei. Sie habe in ihrer 30-jährigen ORF-Karriere dutzende Formate entwickelt, Strukturen aufgebrochen und Teams weiterentwickelt. Sie stehe für Respekt den Mitarbeitern und den Beitragszahlern gegenüber und wolle "sparsam und transparent" mit Geldern umgehen.

"Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz gestand, selbst oft kritisch über den ORF berichtet zu haben. Sie wolle wieder den Zuschauer in den Mittelpunkt stellen, einen Fokus auf Regionalität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit legen. Der Zugang zu öffentlichem Geld als Monopol für den ORF habe sich überlebt. Es müsse eine Öffnung gegenüber privaten Medien stattfinden, die auch öffentlich-rechtliche Inhalte produzieren. Den ORF nach rechts rücken wolle sie nicht, vielmehr eine strukturelle Distanz von ORF und Politik herstellen.

Breitenecker: "Herzen und Hirne unserer Kinder werden abgesaugt"

Ex-ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Markus Breitenecker stellte klar, dass der ORF allen gehöre und allen dienen müsse. Größte Bedrohung sei die Tatsache, dass der Diskurs zu Social-Media-Plattformen abwandere. "Die Herzen und Hirne unserer Kinder werden dort abgesaugt und manipuliert." Dagegen wolle er ankämpfen, mit einem starken Fokus auf ORF ON, wirtschaftlicher Stärke, die nicht nur durch Einsparungen hergestellt werde, österreichischen Kooperationen und einer paneuropäische Perspektive.

Einsparpotenzial orteten viele in Doppelgleisigkeiten, der Führungsstruktur und im Unternehmensaufbau. Beim Programm will niemand ansetzen, sondern frei werdende Mittel dorthin verschieben.

Fast alle wollen bei starken Sparvorgaben klagen

Weiterer Sparbedarf kündigt sich bereits an, will doch die Bundesregierung 80 bis 100 Mio. Euro an Zuschuss pro Jahr streichen. Eine Klage dagegen, wie es die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher bereits überlegt, da der öffentlich-rechtliche Auftrag daraufhin nicht mehr nachhaltig gedeckt sein könnte, wollen alle einreichen - außer Schütz. Larcher meinte, 100 Mio. Euro pro Jahr ließen sich einsparen, ohne das Angebot zu verringern. "Das Geld lässt sich finden, wenn man es finden will", sagte er und verwies auf seine Karriere, in der er das schon bei mehreren großen Unternehmen bewerkstelligt habe.

Dass der ORF objektiv berichte, bejahten abermals alle der Teilnehmer mit Ausnahme von Schütz. Sie verwies auf Umfragen, die eine diesbezügliche gewisse Skepsis in der Bevölkerung nachweisen würden. Äußerungen von ORF-Mitarbeitern auf Social Media würden dazu beitragen, dass man den ORF als nicht besonders objektiv wahrnehme.

Larcher meinte, der ORF müsse stärker anerkennen, dass es ein "breites Spektrum an Standpunkten" in der Bevölkerung gebe, denen man auch die "notwendige Luft" geben müsse - "seien sie falsch, seien sie richtig".

Kein Sparen im Programm

Einsparpotenzial orten viele in Doppelgleisigkeiten, der Führungsstruktur und im Unternehmensaufbau. Beim Programm will niemand ansetzen, sondern frei werdende Mittel dorthin verschieben.

ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler konfrontierte Pig mit einem "Sideletter der Regierung", der in Medienberichten kolportiert wird, laut dem die ÖVP den ORF-Generaldirektor stellen dürfe. Er wollte mit Blick auf einzelne ÖVP-Politiker, die sich für eine Bewerbung Pigs ausgesprochen haben, wissen, mit welchen Politikern er vor seiner Bewerbung Kontakt hatte.

Pig: "Kandidiere für den ORF, nicht für eine Partei"

Der APA-CEO stellte klar: "Ich kandidiere für den ORF und ganz bestimmt nicht für eine Partei." Für eine Vereinnahmung seiner Person könne er nichts. Er habe mit niemandem über "irgendeine einzige Personalia gesprochen" und keine Zusagen erteilt. Von dem Sideletter habe er in Medienberichten gelesen, er höre Namen herumschwirren, mehr wisse er aber auch nicht.

Breitenecker meinte, ein ORF-Chef müsse Kontakt mit der Politik haben und auch ein Treffen mit dem Bundeskanzler müsse möglich sein. Interventionen seien aber zurückzuweisen. Diese würden vorliegen, wenn seriöse Berichterstattung beeinflusst werden soll.

Übertragungen von Ski-Rennen wollen alle Bewerberinnen und Bewerber weiter im ORF sehen. Bei Formel 1-Rennen herrscht dagegen keine Einigkeit. Nein, sagt Totzauer mit Blick auf die Finanzen. Auch Larcher sprach sich dagegen aus. Denn Sportlizenzen werden immer teurer. Wichtigstes Prinzip sei, wie relevant die Sportart für den österreichischen Markt sei, so Larcher. In der Formel 1 stelle man keinen Fahrer.

Ja zu "Dancing Stars"

Unterhaltung wie etwa in Form von "Dancing Stars" befürworten alle. Opern im Hauptabend auch - so sie in ORF III zu sehen sind. Das Korrespondentennetz wollen die meisten ausbauen. Pig führte den Nahen Osten an, Totzauer Polen und Kanada. Breitenecker regte an, dass man sich Korrespondenten doch mit privaten Qualitätsmedien teilen könne.

Eine Höchstgrenze für ORF-Gehälter wollen alle. Zierhut-Kunz sprach sich für variable, leistungsabhängige Gehaltsbestandteile aus. Eine stärkere Präsenz auf YouTube, TikTok und Co. befürworten die meisten. Breitenecker stellte klar, dass man "nicht nicht auf Social Media" sein könne. Man müsse junge Personen dort erreichen, "um sie zurückzuholen". Nicht das Ziel könne aber sein, nur für Youtube zu produzieren. Larcher entgegnete, dass sich viele Personen dort nun mal aufhalten würden. Es sei daher Verpflichtung des ORF, sie dort zu erreichen.

Hearing und anschließende Wahl am Donnerstag

Es war nicht das letzte Mal, dass die Top-Anwärterinnen und -Anwärter ihre Ideen für das öffentlich-rechtliche Medienhaus zum Besten gegeben haben. Sie sind vom ORF-Stiftungsrat zu einem Hearing am Donnerstag geladen. Im Anschluss daran erfolgt die Wahl.

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