Düstere Prognose

"Nur eine Frage der Zeit": WHO warnt vor nächster Pandemie

Ein Mann im Anzug spricht sitzend in einem formellen Raum neben einem Mikrofon und einer Teetasse.
© Getty Images
Die Welt steht vor der unausweichlichen Gefahr einer neuen weltweiten Seuche, ist jedoch im Ernstfall noch immer nicht ausreichend gerüstet. Vor der UNO-Generalversammlung in New York mahnte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eindringlich vor anhaltenden Sicherheitslücken.
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Die Welt steht vor der unausweichlichen Gefahr einer neuen weltweiten Seuche, ist jedoch im Ernstfall noch immer nicht ausreichend gerüstet. Vor der UNO-Generalversammlung in New York mahnte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eindringlich vor anhaltenden Sicherheitslücken.

Deutliche Warnung vor den Vereinten Nationen

Am 24. September 2026 trat der Chef der Weltgesundheitsorganisation vor das hochrangige Treffen zur Pandemieprävention, -vorsorge und -bekämpfung im Rahmen der UNO-Generalversammlung in New York. Seine Botschaft an die versammelten Staats- und Regierungschefs war unmissverständlich: Die Menschheit darf sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre keinesfalls in falscher Sicherheit wiegen.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Pandemie kommt", stellte Tedros Adhanom Ghebreyesus unumwunden fest. Zwar befinde sich die internationale Gemeinschaft im Vergleich zum fatalen Ausbruchsjahr 2020 in einer besseren Verfassung, doch von einem verlässlichen Rundumschutz könne noch immer keine Rede sein.

Zehn neue Initiativen gegen globale Bedrohungen

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie hat die WHO an mehreren Fronten aufgerüstet und insgesamt zehn Initiativen in fünf zentralen Schwerpunktbereichen ins Leben gerufen. Diese Maßnahmen sollen künftige Krankheitsausbrüche frühzeitig erkennen und eindämmen:

  • Pandemiefonds: Ein globaler Finanzierungsmechanismus zur Unterstützung von Vorsorgemaßnahmen in wirtschaftlich schwächeren Staaten.
  • WHO-Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung: Ein hochmodernes Analyse- und Frühwarnzentrum mit Sitz in Berlin.
  • Covax-Programm: Eine Initiative zur Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen im weltweiten Maßstab.
  • mRNA-Technologietransfer: Ein wegweisendes technologisches Entwicklungsprogramm am Standort Südafrika zur lokalen Vakzin-Produktion.
  • Globales Korps für Gesundheitsnotfälle: Ein schlagkräftiges internationales Netzwerk für den schnellen Einsatz von Fachpersonal bei akuten Krisen.

Zusätzlich beschlossen die Mitgliedstaaten tiefgreifende Reformen an den Internationalen Gesundheitsvorschriften, welche im September 2025 völkerrechtlich in Kraft getreten sind. Bereits im Mai 2025 folgte die formelle Verabschiedung des WHO-Pandemieabkommens. Der Generaldirektor würdigte dieses Abkommen als "historischen Meilenstein" sowie als greifbaren Beweis dafür, dass der internationale Multilateralismus weiterhin funktioniere und lebendiger denn je sei.

PABS-Mechanismus als ungelöste Kernfrage

Trotz aller institutionellen Fortschritte identifizierte die WHO-Führung ein gravierendes Manko, das den gesamten globalen Schutzplan ins Wanken bringen könnte. Im Mittelpunkt der Sorgen steht das sogenannte PABS-System (System für den Zugang zu Krankheitserregern und den Vorteilsausgleich).

Über diesen Mechanismus verhandeln die Mitgliedsstaaten nach wie vor fieberhaft, bislang jedoch ohne endgültigen Konsens. Dabei ist dieses Regelwerk die entscheidende Voraussetzung für das Inkrafttreten der Vereinbarungen:

  • Ohne ein geeintes PABS-System kann das formelle Ratifizierungsverfahren für das gesamte Pandemieabkommen nicht starten.
  • Das Vertragswerk kann ohne diese Grundlage keine völkerrechtliche Bindungswirkung entfalten.
  • Proben und genetische Daten neuer Viren mit Pandemiepotenzial können nicht schnell genug global geteilt werden.
  • Eine vertraglich zugesicherte, gerechte Verteilung von daraus hergestellten Medikamenten und Impfstoffen bleibt blockiert.

"Weitere Verzögerungen werden alle Länder teuer zu stehen kommen, wenn die nächste Pandemie eintritt", warnte Ghebreyesus eindringlich vor politischer Untätigkeit.

Solidarität statt weltweitem Wettbieten

Hintergrund des PABS-Streits ist die bittere Lehre aus der COVID-19-Krise. Diese forderte nach Angaben der Organisation mehr als 20 Millionen zusätzliche Todesopfer und riss ein verheerendes Loch von über 10 Billionen Dollar in die Weltwirtschaft.

Damals kauften wohlhabende Staaten den Markt für Schutzausrüstung und Impfstoffe leer, während ärmere Regionen leer ausgingen. Das PABS-Modell soll Pharmaunternehmen sowie Produzenten rechtlich auf Solidaritätsregeln verpflichten – inklusive kostenloser oder vergünstigter Kontingente für Entwicklungsländer.

Für Tedros Adhanom Ghebreyesus, dessen zweite Amtszeit als Generaldirektor im Jahr 2027 zu Ende geht, ist das Vorantreiben dieser Einigung die vordringlichste Aufgabe. "Man kann nie sagen, dass die Welt ausreichend vorbereitet ist", hielt der WHO-Leiter fest. "Denn die Bedrohung entwickelt sich weiter, und das müssen wir ebenfalls tun." Ob die internationale Staatengemeinschaft rechtzeitig einlenkt, bevor das nächste Virus zuschlägt, bleibt die entscheidende Schicksalsfrage.

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