Drei Tote

Gasexplosion "war wie ein Bombenangriff"

gas_kernmayer
© Kernmayer

In St. Pölten flog ein Mehrfamilien-Haus in die Luft. Das Protokoll der Katastrophe.

OE24 auf Google bevorzugen

Feiertag. 7.55 Uhr. Die Stadt schläft noch. Plötzlich eine mächtige Gas-Explosion, die das gesamte südliche St. Pölten erschüttert. Ein Vierfamilienhaus in der Munggen­aststraße 43 wird regelrecht zerfetzt, stürzt in sich zusammen. Glasscheiben bersten, Dachziegel fliegen wie Geschosse durch die Siedlung. Es kracht, zischt, klirrt. Es ist wie im Krieg.

"Unglaublicher Knall"
Fünf Personen werden unter dem Schuttberg begraben. „Ich saß gerade beim Frühstück“, erzählt Nachbarin Johanna Kantor, 62, und schlägt verzweifelt die Hände überm Kopf zusammen: „Plötzlich ein unglaublicher Knall. Dann flogen gewaltige Trümmer gegen unser Haus, es war ein Regen aus Schutt und Asche.“

Kantor läuft zu ihrem Küchenfenster, schaut auf die Straße, sieht die Katastrophe: „Das Nachbarhaus war weg, da war nur mehr Rauch, ein Wahnsinn!“ Die geschockte Frau läuft mit ihrem Mann Johann ins Freie: „Da bogen auch schon die ersten drei Feuerwehrlöschzüge ein.“

Gesamte Siedlung evakuiert
Beißende Rußwolken hängen in diesem Moment über der Munggenaststraße. Das Dach des zusammengestürzten Hauses hängt schräg über der Ruine. Mauerreste, Holzbalken. Ein zerborstener Fernseher ist zu sehen. Teile einer Küche. Reste eines Schlafzimmers. Verkohlte Möbel. Die Straße vor dem Haus ist mit Schutt übersät. Auch Nachbargebäude sind beschädigt. In einer Garage stehen zwei Autos, zertrümmert.

Es riecht nach tödlichem Gas. Lebensgefahr! Auch für die Helfer. Einsatzleiter Dietmar Fahrafellner (41) von der St. Pöltner Feuerwehr ordnet die Evakuierung der gesamten Siedlung an. Eine weitere Gasexplosion droht. Er lässt Gas aus den Kanälen absaugen. Ins zusammengestürzte Haus können die Retter vorerst nicht. Sie wissen bloß – es gibt zwei Wohnungen unten, zwei oben, und fünf Verschüttete.

Drei Tote geborgen
Bis gegen Mittag sind 500 Helfer vor Ort. Erst werden mit schwerem Bergegerät das Dach und Betonblöcke abgetragen. Dann kann die Feuerwehr mit schwerem Atemschutz in die Ruine. Ziegel für Ziegel müssen die Männer abtragen. 50 Tonnen Schutt müssen weg, um zu den Opfern zu gelangen.

Um 17.15 Uhr ist es traurige Gewissheit. Feuerwehrleute finden das erste Todesopfer. Es ist eine ältere Frau, die unter den Trümmern gefunden wird. In den Stunden danach werden zwei weitere Tote geborgen. Zwei weitere Menschen stecken noch unter den Trümmern fest, die Suchaktion hält die ganze Nacht auf Freitag an.

"Hatte Angst um mein Baby"
Kathrin Jilch (24) sitzt kreidebleich und zitternd am Straßenrand, sie ist im fünften Monat schwanger: „Als es knallte, war mein erster Gedanke, jetzt verliere ich vor lauter Angst mein Baby.“ Die junge Frau bangt um ihr erstes Kind, seit zwei Monaten muss sie regelmäßig zum Arzt, eine Problemschwangerschaft belastet das junge Glück. Ihr Mann Serkan Ergen legt beruhigend seine Arme um ihre Schultern und drückt sie schützend an sich: „Wir wohnen genau gegenüber und sahen nur einen mächtigen Schutthaufen. Wir sind raus und wie blind weggerannt.“

Dass sein Auto ein Trümmerhaufen ist, interessiert Serkan nicht, ihm ist nur die Gesundheit seiner Frau und des Babys wichtig: „Wir freuen uns so sehr darauf.“ Langsam beruhigt sich das Paar, in Kathrins Gesicht kehrt Farbe zurück und ihr Kreislauf beruhigt sich. Bei Serkans Eltern finden sie vorerst Unterschlupf.

Wohnhaus in St. Pölten explodiert


1 / 17

stpoelten2

stpoelten2

© APA

stpoelten1

stpoelten1

© APA

stpoelten3

stpoelten3

© APA

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden