Polizeiaktion in NÖ
Jagd auf Goldzahn-Bande: Familien ließen Gräber öffnen
Niederösterreich. Gemeine Grabräuber sorgen derzeit für große Ärger und Verunsicherung bei Hinterbliebenen: Die Täter gehen bereits seit geraumer Zeit um - eine Spur zu der raffgierigen und pietätlosen Bande gibt es noch keine. Viele Vorfälle werden nicht oder erst sehr spät entdeckt. Vor rund einer Woche wurden in Pottendorf und Wampersdorf mehrere offensichtlich geöffnete Gräber und Grüften entdeckt. Diese werden jedoch erst dann geöffnet (damit dann auch die Kripo ermitteln kann) wenn Angehörige dies veranlassen – und auch selbst bezahlen müssen. Ein betroffener Installateur, dem im Familiengrab vier Särge aufgebrochen sein dürften, rechnet mit bis zu 15.000 Euro für die Öffnung sowie die anschließende Sanierung, Umbettung der Verstorbenen in neue Särge und neuerliche Beisetzung. Aber der Unternehmer will es wissen.
Am Mittwoch wurden zwei der rund zwölf betroffenen Grüfte in Pottendorf im Auftrag der Angehörigen und im Beisein der Polizei von einem Steinmetz geöffnet. In beiden Fällen zeigte sich ein ähnliches Bild: Einmal wie gesagt vier, einmal drei Särge – teilweise 40 bis 50 Jahre alt – waren gewaltsam geöffnet und aufgeschnitten worden, teils im Kopfbereich wurden den Verstorbenen mit einer Blechschere die Goldzähne herausgebrochen bzw. wurde brutal danach gesucht. Ob tatsächlich etwas entwendet wurde, kann erst nach einer Exhumierung festgestellt werden. Auch in Wampersdorf wurde Nachschau gehalten. Die Ermittlungen laufen.
Seit rund einem Jahr sind Friedhöfe in Niederösterreich bereits im Visier der Goldzahn-Bande. Erstmals öffentlich bekannt wurde alles mit einer Anzeige im April 2025 in Klosterneuburg-Kierling. Weitere zwölf Friedhöfe von Fels am Wagram, Wolkersdorf, Weißenkirchen, Schwechat bis hin zu Götzendorf sollten folgen. Ende März hinterließen die Grabschänder am Friedhof in Korneuburg eine Spur der Verwüstung. 13 Gruften wurden gewaltsam aufgebrochen, rund 40 Särge wurden beschädigt.
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