Grosz gesagt: Der kritische Blick
Grosz: ''Österreichs Politik - Endstation Alkohol''
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Willkommen bei Grosz gesagt, dem überaus kritischen Blick auf die aktuellen Geschehnisse unserer Zeit. Kritisch, direkt, unabhängig und scharf wie Messer. Versprochen.
Es wird ein Wein sein, und der Charly wird nimma sein. Weinselig beging die ÖVP Tirol ihren Landesparteitag. Und was von diesem Event übrig blieb sind folgende Worte: „Wenns so weiter geht, bleiben uns nur mehr Alkohol oder Psychopharmaka.“ Die oberste Flasche im Lande sprach die großen Worte gelassen aus. Der dritte Kanzler höchstselbst binnen eines halben Jahres, dem Fass aus dem türkisen Weinkeller entsprungen, empfiehlt also angesichts der ausweglosen Situation Schnaps oder Antidepressiva. Und ganz Österreich rätselt, wem der Nehammer diesen Schmähammer um den Hals gehängt hat. Meinte er die letzten Getreuen der ÖVP, die angesichts der Korruptionsaffären ihren Schmerz nur mehr in Alkohol ertränken können? Oder meinte er gar seinen Amtsvorvorgänger, der angesichts der justiziellen Ermittlungen nur mehr zu Antidepressiva greift. „Wenns so weiter geht“, bilanzierte der ÖVP-Kanzler den bisherigen Erfolgsweg seiner Regentschaft.
Und tatsächlich, angesichts der Untätigkeit der Regierung im Zusammenhang mit der Teuerung, den Sanktionen, des Wirtschaftskrieges, der latenten Korruptionsaffären könnte man meinen, Herrn und Frau Österreicher bleibt tatsächlich nur mehr der Alk, um sich diese Politik der gebrochenen Versprechen hinunterzuspülen. Ein Rundruf unter den österreichischen Weinbauern ergab: Es gibt gar nicht so viel Wein im Weinland Österreich, um sich diese Regierung noch schön zu saufen. Also bleiben den armen ÖVP-Anhängern nur mehr die Betäubungsmittel. Endstation Sehnsucht, heißt es für diese.
Und während so der Kanzler über die Dauerilluminierung der Seinen philosphiert, hat uns Russland nun endgültig den Gashahn abgedreht. Nordstream 1 sitzt auf dem Trockenen. Nachdem die EU und allen voran Deutschland dem Kreml Nordstream 2 auf Eis gelegt haben, reagiert Moskau erwartungsgemäß. Die Politik sucht nach kreativen Auswegen. Deutschlands Vizekanzler der GrünInnen empfiehlt, wie schon erwähnt, weniger zu duschen. Stinken gegen Putin. Auch eine Reduktion der Heizungslieferung auf 19 Grad pro Haushalt wird angedacht. Also frieren gegen Putin. Und Österreichs Regierung legt uns Jahre nach dem Kohleausstieg die Braun- und Schwarzkohle vor die Türe. Also Husten gegen Putin. Apropos Putin. Dessen Budget feiert dieser Tage Milliardenüberschüsse. Durch die Sanktionen sind die Preise für Gas und Öl in die Höhe geklettert. Und obwohl Russland weniger lieferte, machten die bösen Alt-Sowjets das Geschäft ihres Lebens. Auch der Rubel kletterte auf ein Rekordhoch.
Derweil ist der Euro, jene Währung der Sanktionsrufer, auf einen historischen Tiefstand gefallen. Man kann mittlerweile Dollar und Euro eins zu eins wechseln. Das gabs noch nie. Und in den USA und in Europa feiern die Volkswirtschaftler die größte Inflation seit dem II. Weltkrieg. Wie war das noch einmal mit den Sanktionen als größte Erfolgsgeschichte seit Gründung der Europäischen Union? Offenbar haben sich in diesen März-Tagen dieses Jahres 2022 die EU-Staats- und Regierungschefs vor Beschluss der Sanktionen an den alten Whiskey-Reserven von Jean Claude Juncker bedient. Den Trinkspruch hielt, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, Karl Nehammer.
Wie gesagt: Alkohol und Psychopharmaka, noch dazu gemeinsam eingenommen, ist ein probates Mittel für kollektiven Selbstmord. Und exakt diesen betreiben wir seit Monaten. Von der Staatsspitze hört man nichts. Der Amtsinhaber in der Hofburg setzt im Gegensatz zum Kanzler auf Nikotin. Also der Präsident pofelt, der Kanzler säuft, der Vizekanzler regiert und das Land liegt in den Scherben. Scherben bringen Glück, dachten sich auch die deutschen Regenten und schmissen die Champagnergläser auf den Boden. Der deutsche Finanzminister Christian Lindner heiratete, standesgemäß wie es sich für einen Vertreter des deutschen Polit-Jet-Sets gehört, auf Sylt. Der Oppositionschef der CDU reiste im Privatjet, natürlich klimaneutral, an. Der deutsche Kanzler kam in den gepanzerten Limousinen. Eine geile Sause wurde gefeiert, der Steuerzahler brannte dafür wie Luster. Ja solange das Gas noch für die Luster reicht, muss man eben feiern. Dieselbe Logik herrschte übrigens auch auf der Titanic, die letzten Minuten vor dem Untergang.
Apropos Titanic. Österreichs Staatsschiff bekommt einen neuen Kapitän. Im Herbst finden die Bundespräsidentenwahlen statt. Und nun hat auch die FPÖ ihren Kandidaten bekannt gegeben. Nachdem Susanne Fürst als heiße Aktie rasch erkühlte und der Krone-Kolumnist angesichts der FPÖ-Mannen rund um Kickl kalte Füße bekam, muss nun Walter Rosenkranz in die Arena steigen. Die FPÖ stärkt eben ihr klerikales Element. Einen Rosenkranz betet man nicht nur, man wählt ihn auch. Also haben wir nun den Flaschendreher einer Bierfraktion, den Vorbeter des Rosenkranzes, einen Spritzengegner und mich im Rennen gegen den Amtsinhaber Van der Bellen. Letzterer scheint auf Tauchstation. Die Teuerung kennt er in der noblen Sommerresidenz der Bundespräsidenten nur vom Hörensagen. Und solange der Tabakvorrat reicht, scheint in diesem Sommer das Gemüt des Van der Bellen nichts ins Wanken zu bringen.
Nichts ins Wanken bringt auch Österreichs Parlamentarier. Die sind auf Urlaub gegangen. Gleich 74 Tage, während der durchschnittliche Österreicher gerade einmal 25 Tage das ganze Jahr frei nehmen darf. Ja, manche sind gleich und manche noch gleicher. Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Das Parlament machte dicht, alle Fraktionen haben dies so beschlossen. Mehr als 9.000 Euro 14 Mal im Jahr kassieren die Parlamentarier. Und das Geld muss man natürlich auch ausgeben. Vornehmlich zwischen Juli und September an den noblen Urlaubsorten.
In diesem Sinne wünsche ich auch den armen, überarbeiteten und schlechtbezahlten Politikern schöne Sommermonate. Und vielleicht denken sie die nächsten 9 Wochen an uns. Unser Leid, die Teuerung, die Strompreise, den Gasnotstand, die Korruption. Vielleicht gibt es ja eine Erleuchtung, wenn schon der Kanzler von Illuminierung spricht. In diesem Sinne Prost. Und bleiben Sie mir treu, wenn es nächste Woche wieder heißt: Grosz gesagt.
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