Sparpaket
Uni-Chef schlägt Alarm: Kein Geld für 200 AKH-Ärzte
Die geplanten Einsparungen im Wissenschafts- und Uni-Bereich haben bereits für ziemlich viel Ärger gesorgt und auch schon zu ersten Demonstrationen geführt. Aber was bedeuten diese Einsparungspläne eigentlich konkret, etwa für das AKH in Wien? Med-Uni-Wien-Rektor Markus Müller findet im Gespräch mit Isabelle Daniel drastische Worte.
Budget-Kürzungen: Uni-Rektor Markus Müller im Interview | Isabelle Daniel
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oe24: Wenn es Einsparungen von hunderten Millionen Euro im Bereich Wissenschaft und Unis gibt, wie würde das Sie betreffen?
Markus Müller: Es betrifft uns in allen Kernbereichen. Also die Kernbereiche sind Lehre, also Studentenausbildung, bei uns Medizinerinnenausbildung, Forschung und natürlich, und das wurde offenbar nicht so bedacht, Patientenversorgung. Die Zahlen, die wir vor 14 Tagen gehört haben, sagen, dass es eine etwa 14-prozentige Kürzung des gesamten Universitätsbudgets geben wird. Wenn man das auf unsere Universität umlegt, kann man sagen, dass wir im AKH von etwa 200 Ärztestellen sprechen, die wir finanziell nicht bedecken könnten.
oe24: Haben Sie auch den Eindruck, dass die Politik nicht so ganz richtig mitgekriegt hat, dass die MedUni auch fürs AKH zuständig ist?
Müller: Das sollte an sich bekannt sein. Es steht auch am AKH drauf. Wenn man dort vorbeifährt, sieht man das Logo der MedUni Wien. Jetzt sagen schon viele, dass wir ein Problem haben mit zu wenig Ärzten in der Zukunft. Weil es gibt ja die Babyboomer-Generation, die in Pension gehen wird. Und wenn dann gleichzeitig gespart wird bei der Ausbildung, aber auch beim Personal, weil es heißt ja schon, dass das Gesundheitssystem am Limit ist.
oe24: Was würde denn das in der Praxis bedeuten, wenn man 200 Ärzte streichen würde?
Müller: Derzeit haben wir ziemlich genau 1.700 Ärztinnen und Ärzte der MedUni Wien am Standort AKH. 100% des ärztlichen Personals wird von der Universität gestellt. Man kann sich dann eben ausrechnen, was eine Reduktion um 14% heißen würde. Also man könnte schon natürlich auch bei Strom und anderen Dingen sparen, aber es geht sich nicht aus. Also der große Budgetposten bei uns ist Personal und vor allem eben im AKH.
oe24: Österreich hat eine erstaunliche Spitalsdichte. Aber was vielleicht einige nicht wissen, es sind sehr wenige Schwerpunktspitäler. Was bedeutet das?
Müller: Ich glaube, das ist genau das Problem der österreichischen Spitalslandschaft. Deutschland hat vor, eine Spitalsreform zu machen, auf viel niedrigerem Niveau. Ein faszinierendes Beispiel ist Dänemark. Dänemark hat also die Spitalslandschaft auf etwa 20 Schwerpunktkrankenhäuser kondensiert und hat einen sehr guten, ausgebauten, niedergelassenen Bereich. Und bei uns ist es die schlechteste aller Welten.
oe24: Wie steht es denn mit der Gesundheitsreform?
Müller: Es ist die x-te Gesundheitsreform, von der ich höre und es ist wahrscheinlich die x-te, wo wenig bis gar nichts dabei herauskommen wird. Es ist letztlich auch ein strukturelles Problem. Die Verteilung der Zuständigkeiten ist so gesteuert, dass es eigentlich niemanden gibt, der hier ein Gesamtbild entwickeln kann. Wenn jetzt auch einige Landeshauptleute vorgeschlagen haben, von Salzburg und Tirol, Finanzierung aus einer Hand, dann ist immer die erste Frage, wer ist denn die Hand? Und dann kommt man darauf, die gibt es eigentlich nicht, weil es so viele Hände gibt.
oe24: Wenn das stimmt und ich höre leider dasselbe, dass da wenig passieren wird, was bedeutet das dann für unser Gesundheitssystem? Der Druck steigt ja, weil die Menschen immer älter werden.
Müller: Genau. Im Verhältnis zu Schweden sind wir etwa zehn Jahre länger krank, also der Durchschnitt in Österreich beginnt mit 60 etwa, chronische Erkrankungen zu haben, also die Lebenserwartung an sich ist relativ hoch. Auch das spricht dafür, dass wir auf etwas ganz anderes setzen müssen als reparative Medizin in Krankenhäusern. Österreich hat keine guten Zahlen, was Früherkennung, Prävention, Impfungen, aber auch Rauchen, Alkohol, also die typischen Treiber von Erkrankungen betrifft.
oe24: Sie würden viel stärker auf den niedergelassenen Kassenbereich gehen, der sollte dann auch nach 22 Uhr zugänglich sein, damit die Leute nicht nur im Spital landen?
Müller: Genau das ist der Punkt. Wenn man sich das Kassensystem ansieht, dann ist das auch eine interessante Kurve, also die Zahl der Kassenordinationen in Österreich ist seit etwa 20 Jahren konstant flach, also da gibt es keinen Anstieg trotz steigender Bevölkerungszahl, trotz massiv steigender Zahl an Ärztinnen und Ärzten. Die Zahl der Wahlärzte geht durch die Decke, auch das ist ein Stresszeichen eines nicht mehr gut funktionierenden Systems.
oe24: Wenn es dann eben keine Gesundheitsreform gibt, wenn es wirklich Einsparungen gibt, hält das österreichische Gesundheitssystem dann noch aus? Es gibt Spitalsärzte, die meinen, dann fahren wir gegen die Wand.
Müller: Ja, das sagt man schon lange. Also es ist erstaunlich, wie lange dieses System dann noch hält. Das ist auch interessant zu beobachten. Wobei das österreichische Gesundheitssystem, wenn man andere kennt, trotzdem ein sehr, sehr gutes ist. Auch das ist vielleicht ein Punkt, dass es überbeansprucht wird, die Frage der Selbstverantwortung wird in Österreich, glaube ich, auch zu wenig betont. Auch die Frage der Gesundheitsbildung. Was kann ich selber für meine Gesundheit machen? Und es ist letztlich eine Frage der Kosten. Wenn man den Bericht des Fiskalrates liest, dann sieht man, dass es zwei sehr große Treiber im österreichischen Budget gibt: Das sind die Pensionen und das Gesundheitssystem. Davon möchte man offenbar nicht abweichen. Auch aufgrund der Demografie und der Altersentwicklung der Bevölkerung. Und sucht das Geld halt bei anderen. Im Moment halt zum Beispiel bei den Universitäten.
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