11 Tote in den USA
Synagogen-Massaker dauerte 20 Minuten
Es ist der wohl tödlichste antisemitische Gewaltakt der US-Geschichte: Ein schwer bewaffneter Angreifer hat am Samstag in einer Synagoge in Pittsburgh um sich geschossen und mindestens elf Menschen getötet. Sechs weitere Menschen wurden verletzt, darunter vier Polizisten, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.
US-Präsident Donald Trump verurteilte die "bösartige antisemitische Attacke". Das Attentat sorgte auch international für Entsetzen.
Der Angreifer hatte während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby das Feuer eröffnet. Dabei soll er Medienberichten zufolge "Alle Juden müssen sterben!" gebrüllt haben. Nach Behördenangaben war er mit einem Sturmgewehr und mindestens drei Handgranaten bewaffnet. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei wurde er festgenommen und in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der Angriff in der Lebensbaum-Synagoge von Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania sei "wahrscheinlich" der tödlichste antisemitische Anschlag der US-Geschichte, teilte die auf Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierte US-Organisation Anti-Defamation League (ADL) mit.
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Trump: Todesstrafe schneller aussprechen
US-Präsident Donald Trump hat nach den tödlichen Schüssen von Pittsburgh schnellere Todesurteile für Mörder gefordert. "Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen", sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen. "Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten."
Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. "Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz", sagte Trump über die Gemeindemitglieder. "Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können."
Die Schießerei habe jedenfalls wenig mit den Waffengesetzen zu tun, betonte Trump weiter. Im Gegenteil: Wenn es Verteidigung in der Synagoge gegeben hätte, wäre das Resultat anders, so der US-Präsident gegenüber Journalisten, bevor er die Air Force One bestieg.
Ein bewaffneter Mann hatte während einer Taufe in der Synagoge um sich geschossen. Der mutmaßliche Täter stellte sich und wurde festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Nach Informationen der Zeitung "Pittsburgh Post-Gazette" wurde der Mann ins Krankenhaus eingeliefert.
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In Squirrel Hill, wo die Synagoge steht, leben seinen Angaben zufolge rund 50 Prozent der im Großraum Pittsburgh ansässigen Juden. Finkelstein zeigte sich erschüttert: "So etwas sollte nicht passieren, nicht in einer Synagoge, nicht in unserem Viertel." Ein lokaler Fernsehsender hatte unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, der Schütze sei in die Synagoge gegangen und habe die Worte ausgesprochen: "Alle Juden müssen sterben."
Die Schüsse sollen im zweiten Obergeschoß des Gotteshauses gefallen sein. Ob es auch zu Schusswechseln außerhalb des Gebäudes kam, war unklar. US-Präsident Donald Trump rief die Menschen in der Gegend via Twitter dazu auf, Schutz zu suchen.
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Gemeindemitglied Stephen Weiss berichtete in Interviews, er habe dutzende Schüsse aus der Lobby des Gotteshauses gehört. Eine Frau am Tatort sagte dem Sender CNN, ihre Tochter sei mit anderen Synagogenbesuchern die Stiegen hinunter gerannt und habe sich im Erdgeschoß verbarrikadiert, als die ersten Schüsse gefallen seien. Der Leiter der städtischen Sicherheitsbehörden, Wendell Hissrich, berichtete von einem "fürchterlichen" Anblick in dem Gotteshaus nach der Bluttat.
Der Angriff auf die Synagoge wurde auch international scharf verurteilt. "Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischem Hass wurden", ließ die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Online-Dienst Twitter erklären. "Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen - überall."
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich "zutiefst schockiert über das abscheuliche antisemitische Verbrechen in Pittsburgh, das ich auf das Schärfste verurteile". Sein Mitgefühl gelte in diesen schweren Stunden den Angehörigen und Freunden der Opfer. "Wir müssen alles tun, um Antisemitismus entschieden zu bekämpfen", so Kurz auf Twitter.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu äußerte sich erschüttert über die "schreckliche antisemitische Brutalität". Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres und der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilten die Tat. Der französische Innenminister Christophe Castaner ordnete an, die Sicherheitsvorkehrungen rund um Frankreichs Synagogen zu verstärken.
Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigte sich schockiert. Bei dem Vorfall handle es sich um einen "abscheulichen Terrorakt", sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung am Samstag in New York. "Das war ein Angriff nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auf ganz Amerika."
Es handelt sich bereits um den zweiten offenbar politisch motivierten Gewaltakt, der die USA in der Schlussphase des Wahlkampfs für die Kongresswahlen am übernächsten Dienstag erschüttert. In den Vortagen waren 13 Briefbomben abgefangen worden, die an prominente Trump-Kritiker gerichtet waren, unter ihnen Ex-Präsident Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Der mutmaßliche Versender der Sprengsätze, ein 56-jähriger Mann aus dem US-Staat Florida, war am Freitag festgenommen worden.
Seit dem Auftauchen der Bomben sieht sich Trump mit verschärften Vorwürfen konfrontiert, er trage mit seiner oft aggressiven und polemischen Rhetorik zur Aufheizung des politischen Klimas im Land bei. Nach der Attacke auf die Synagoge kündigte er an, er wolle einen anderen Ton anschlagen.
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